Capture One Pro 7 – Ein erster Eindruck

Vergangene Woche hat Phase One Version 7 von Capture One veröffentlicht und mit sehr großen Worten beworben. In den letzten Tagen habe ich diese neue Version eingehend getestet und möchte in einem kleinen Bericht meine bisherigen Erfahrungen schildern. Wie immer bei einem neuen Release empfehle ich folgendes: Wer einen dringenden Auftrag erledigen muss sollte vorerst davon absehen, von einer funktionierenden Version direkt auf die Neue zu wechseln. Es gibt sowohl im Forum von Phase One als auch in vielen anderen zahlreiche User, die über vielfältige Probleme berichten. C1 7 kann parallel zu Version 6 verwendet werden, bei produktiven Einsätzen rate ich vorerst ganz klar zu Version 6.

1. Installation und Stabilität

Im Vergleich zu C1 6.0 ist 7.0 eine Wohltat. Die Installation ging erwartungsgemäß vollkommen problemlos über die Bühne, und auch sonst ist der Betrieb momentan einwandfrei. Stürzte mir Version 6.0 gefühlt alle 2 Minuten ab, läuft die Aktuelle bislang ohne einen einzigen konventionellen Absturz. In ca. 25 Stunden Nutzung fror mir C1 zweimal so ein, dass ich es nur über den Abschuss des Tasks im Prozessmanager zum Beenden zwingen konnte. Wie gesagt, im Vergleich zur 6.0er Version bislang eine deutliche Steigerung auf meinem Windows PC.

2. Die Oberfläche

Nichts neues im Süden, oder so ähnlich. C1 hat die Oberfläche etwas schöner gestaltet, primär Buttons, Leisten, Anzeigen usw. Alles nichts wirklich großartiges, aber in Summe sieht es nun etwas schicker und moderner aus. Die oberste Icon-Leiste kommt nun in Lederoptik daher, was wohl einigen überhaupt nicht gefällt. In Summe ist es etwas schöner geworden, aber wer mit Version 6 gearbeitet hat fühlt sich gleich wie zuhause.

3. Die neuen Funktionen

Neben der Bildqualität wohl der wichtigste Faktor für die Mehrheit der User. Seit Version 3 sehnlichst gewünscht wurde mit Version 7 nun endlich eine Objektivkorrektur eingebaut. Somit ist der lästige Bruch im Workflow hinfällig und ein konsistenteres Arbeiten möglich.

Zudem wurde die bisherige LCC-Funktion aufgebohrt, sodass nun in einem Schritt gleich mehrere Profile erstellt werden können. Wer intensiv mit dieser Funktion arbeitet wird die neuen Optionen sehr zu schätzen wissen. Capture Pilot wurde aufgebohrt und kann nun auch per Web die Bilder zum Sichten und Bewerten ausgeben. Eine Funktion, die ich sonst noch von keinem Programm gesehen habe. Der Kunde kann direkt auf die Bilder zugreifen und diese bewerten, der Fotograf kann anschließend anhand der Kundenauswahl mit der weiteren Verfeinerung beginnen. Eine tolle Funktion, wie ich finde, nur ist sie für meine Arbeitspraxis nicht interessant. Version 7 bringt nun auch Live View für viele DSLRs mit (für all jene, die tethered arbeiten). Für mich ebenfalls nicht interessant, aber für den der es benötigt eine gute Sache. C1 verfügt in der aktuellen Fassung über eine rudimentäre Katalogfunktion, die aber im Vergleich zu LR voll netzwerkfähig ist.

4. Die Qualität

Die Stunde der Wahrheit. Phase One hat bei der Vorstellung von C1 7 nicht mit Superlativen gegeizt und ordentlich Werbung gemacht. C1 7 kommt mit einer komplett neuen Engine, welche noch deutlich bessere Ergebnisse bringen soll als jene der vorherigen Versionen. Lightroom Nutzer kennen das Thema neue Engine bereits.
In den vergangenen Tagen habe ich mit dem neuen C1 an meinen kompliziertesten Bilder gemacht und intensiv getestet, wie gut sich die Software wirklich schlägt. Mein Fazit: Eindeutig besser als Version 6 (die allerdings auch schon sehr gut war). Gerade die Bildwirkung insgesamt wurde nochmals optimiert, feine Details durch bessere Kontrastwiedergabe betont. Hinsichtlich Detaildarstellung spielt C1 somit wieder ganz oben mit. Auch an den HDR-Funktionalitäten wurden geschraubt und so verspricht Phase One hier riesige Qualitätsverbesserungen. Meine Tests ergeben, dass das Entwicklerteam wirklich einen guten Job gemacht hat. Besonders die Schattenwiederherstellung liefert im Vergleich zu Version 6 deutlich bessere Ergebnisse, auch aus den absoluten Tiefen lassen sich noch sehr schön Details hervorholen. War der Unterschied zwischen C1 6 und Lightroom noch deutlich (zugunsten von LR), wurde der Abstand mit Version 7 verkürzt. Ich persönlich sehe hier zwischen beiden einen Gleichstand (wenngleich die Ergebnisse freilich anders sind, aber beide machen dabei eine gute Figur). Die Lichterwiederherstellung hingegen lieferte bei meinen Tests zwar bessere Ergebnisse als Version 6, liegt allerdings hinter Lightroom zurück.

Besonders hervorstechend empfinde ich, wie bereits in Version 6, die sehr feine und akzentuierte Darstellung kleinster Details. Im gleichen Atemzug möchte ich noch hinzufügen, dass trotz des sehr guten Kontrasts in kleinsten Strukturen Moires so gut wie nicht auftreten (auch ohne gesonderten Einsatz des Moire-Tools). So zeigte beispielsweise eine Testaufnahme einer Stadtlandschaft mit den Default-Settings in Lightroom bereits ein deutliches Moire, während C1 trotz Verwendung von Klarheit und Struktur keine Moires aufwies.

Die Entrauschung wurde ebenfalls optimiert, da ich allerdings ein absoluter „Nicht-Entrauscher“ bin, möchte ich das Urteil hierzu anderen überlassen.

5. Kleine Wehwehchen

Wie immer gibts natürlich Kleinigkeiten, die ich nervig finde. Den Anfang macht hier die Objektivkorrektur. Ist die Distorsion geringer als 1,75% macht C1 nichts. Auch ist die Vignettierungskorrektur bei mir pauschal immer auf 0%. Auf Nachfrage erläuterte mir der Support, dass dies auch tatsächlich so gewollt ist, da viele die Vignettierung behalten möchten. Es ist also immer erforderlich, den Slider manuell auf 100% zu stellen, wenn eine Korrektur erfolgen soll. Glücklicherweise lässt sich sowas über ein Preset automatisieren, welches direkt beim Import zugewiesen wird.

Auch die Performance könnte besser sein. So kämpfe ich aktuell damit, dass beim Lokalen Anpassungen Tool jeder Pinselstrich ca. 5 Sekunden Rechenzeit benötigt und die CPU Auslastung währenddessen auf 100% auf jedem Kern ansteigt. Phase One hat mir heute früh eine Vorgehensweise zur Eliminierung dieser Probleme zugesendet, die ich in kürze testen werde.

4 Gedanken zu „Capture One Pro 7 – Ein erster Eindruck

  1. Guest

    Nach einiger Hilfe durch den support laüft das programm jetzt einwandfrei.Ich wünsche mir eine ausführliche gebrauchsanweisung als festes gebundenes buch mit vielen Beispielen in deutscher Sprache !!!

    Antworten
    1. Joerg Artikelautor

      Hallo Herr Weil,

      ich freue mich, dass der Support Ihnen helfen konnte. Bezüglich der Gebrauchsanweisung stimme ich ihnen vollumfänglich zu, eine ausführliche Dokumentation in deutscher Sprache würde den Anwendern hierzulande erheblich helfen. Leider bin ich diesbezüglich nicht sehr zuversichtlich.

      Viele Grüße,
      Jörg Dullinger

      Antworten
  2. Guest

    Guten Tag,
    habe mit heute eine Testversion von Capture One heruntergeladen. Soweit funktioniert auch alles. Wenn ich aber meine CANON 5D MarkII anschließe, erscheint das Ereignisse-Fenster mit der Meldung Aufnahmefehler. Die Kamera wird offensichtlich nicht gefunden. Wie gesagt, ich bin absoluter Anfänger in diesem Programm. Habe vorher mit Lightroom gearbeitet. Wollte aber gerne mal Capture One ausprobieren, weil mann dort sehr einfach seine Aufnahmen über Netzwerk am iPad anschauen kann.

    Können Sie mir da weiterhelfen?
    Vielen Dank im Voraus.
    Ralf Kresin

    Antworten
    1. Joerg Artikelautor

      Hallo Herr Kresin,

      arbeiten Sie auf einem Mac? Falls ja, ist ein Workaround aufgrund des noch fehlenden SDKs von Canon erforderlich.

      Viele Grüße,
      Jörg Dullinger

      Antworten

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