Grundlagen AdobeCameraRAW (ACR)

Das RAW-Format ist zweifelsohne das Datenformat der Stunde. Wer auf ein Maximum an Kontrollmöglichkeiten und Qualität der Bilddaten wert legt, kommt um das „digitale Negativ“ kaum herum. Auch die Softwareindustrie hat diesen Trend erkannt und produziert seit geraumer Zeit eine sich fortwährend vergrößernde Auswahl an RAW-Konvertierungssoftware. Einer der besten derzeit am Markt erhältlichen Konverter ist wohl Adobe Camera Raw (kurz: ACR), der Adobe´s Photoshop beiliegt. Dieser Workshop soll Ihnen eine Übersicht über die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten in ACR geben, um Ihnen zukünftig noch bessere Qualität mit einem effizienten Workflow zu ermöglichen.

Voraussetzung für diesen Workshop ist ACR 3.x, der ab Version 9 (CS2) in Adobe Photoshop integriert ist. Des Weiteren sollten Sie bereits über Grundkenntnisse zum Thema RAW verfügen sowie die Grundbefehle von Photoshop beherrschen. Beachten Sie, dass neue Kameratypen in der von Ihnen verwendeten Version von ACR möglicherweise noch nicht unterstützt werden. Sollte dies der Fall sein, können Sie auf der Website von Adobe hier ein Update herunterladen. Eine detaillierte Anleitung finden Sie ebenfalls dort.

Das erste Öffnen von ACR

Nachdem Sie z. B. in der Bridge von Adobe mit der linken Maustaste doppelt auf ein RAW- Vorschaubild geklickt haben öffnet sich das selektierte Bild in ACR

Sie erhalten eine erste Vorschau, wie die konvertierte RAW- Aufnahme aussehen wird. Natürlich wollen wir die Einstellungen nicht beim Standard belassen, sondern uns gemäß der Zielsetzung dieses Workshops die unterschiedlichen Funktionen von ACR genauer anschauen.

Die Werkzeuge

Oben links über der Bildvorschau finden wir die Werkzeugleiste, die einige uns aus Photoshop bereits bekannte Werkzeuge enthält. Sehen wir uns diese der Reihe nach an.

Zoom-Werkzeug (Shortcut: „Z“)

Beim ersten Icon handelt es sich um das Zoom-Werkzeug, mit der wir die Möglichkeit haben, weiter in unser Bild hinein- bzw. hinaus zu zoomen. Standardmäßig ist die Lupe auf vergrößern gestellt, sie erkennen das an dem „+“ Zeichen im Innern der Lupe. Klicken wir nun auf unser Vorschaubild, so wird der gewählte Ausschnitt entsprechend vergrößert (näher herangeholt). Um wieder herauszoomen zu können, müssen Sie lediglich bei gedrückter „Alt“-Taste (das „+“ wechselt zu „-“) auf das Vorschaubild klicken. Mit der Lupe können Sie schnell die bildwichtigen Teile vergrößern und beurteilen. Um schnell wieder das ganze Bild sehen zu können, drücken Sie „Strg“ + „0“. Das Zoomwerkzeug lässt sich übrigens jederzeit durch das Gedrückthalten der „Strg“-Taste aufrufen.

Hand-Werkzeug (Shortcut: „H“)

Wenn Sie sich einen Bildausschnitt mit dem Zoom-Werkzeug stark vergrößert haben fehlt Ihnen natürlich die Übersicht über andere Bildteile. Um den Bildausschnitt zu verändern ohne extra wieder heraus- und mit geändertem Bildausschnitt wieder hineinzoomen zu müssen steht Ihnen das Hand- Werkzeug zur Verfügung. Klicken Sie damit einfach auf das Vorschaubild und bewegen mit gedrückter linker Maustaste den Bildausschnitt. Übrigens müssen Sie das Hand-Werkzeug nicht jedes Mal mühsam aus der Werkeugleiste heraus öffnen. Bei gedrückter Leertaste erhalten Sie sofort Zugriff auf dieses Werkzeug.

Weißabgleich-Werkzeug (Shortcut: „I“)

Wie der Name bereits aussagt kann mit dem Weißabgleich-Werkzeug eine Farbe in dem Vorschaubild ausgewählt werden, die einer neutralen Farbe (möglichst gleichen Wert in den Kanälen RGB) entsprechen soll. Der Mauszeiger verwandelt sich bei Aktivierung dieser Funktion zur Pipette, mit der Sie bei entsprechender Zoomstufe pixelgenau auswählen können. Nach dem Klick mit der Pipette wird der Weißabgleich des gesamten Bildes entsprechend Ihrer Auswahl verändert.

Farbaufnahme-Werkzeug (Shortcut: „S“)

Dieses Werkzeug ermöglicht es Ihnen, Farbinformationen von einzelnen Teilen des Bildes anzuzeigen. Ähnlich wie beim Weißbalance-Werkzeug verändert sich die Werkzeugspitze pipettenähnlich, und Sie können gezielt Farben auswählen. Nach dem Klick erhalten Sie unterhalb der Werkzeugleiste durchnummeriert die einzelnen Messwerte, direkt am Vorschaubild werden Punkte gesetzt die genau anzeigen um welche Messung es sich handelt.

Wurde ein Bild in ACR bearbeitet hat man mit den Messpunkten die Möglichkeit, Veränderungen anhand der RGB-Werte abzulesen. Oft ist dieses Vorgehen im Repro-Bereich gewünscht, da somit überprüft werden kann ob es Farbverschiebungen gab.

Freistellungswerkzeug (Shortcut: „C“)

Bereits aus Photoshop bekannt sein dürfte Ihnen das Freistellungswerkzeug, mit dem Sie das Bild beschneiden können. Ziehen Sie hierzu einfach mit gedrückter linker Maustaste eine Auswahl auf. Das im Anschluss in Photoshop geöffnete Bild ist exakt so beschnitten, wie Sie es in ACR vorgegeben haben. Um ein festes Seitenverhältnis bzw. ein festes Maß für das Freistellungswerkzeug zu definieren, klicken Sie mit gedrückter linker Maustaste auf das Icon in der Werkzeugleiste. Es öffnet sich ein Auswahlmenü mit bereits vorhandenen Maßen, das Sie über „Eigene“ jederzeit erweitern können.

Gerade-ausrichten-Werkzeug (Shortcut: „A“)

Mehr als nur nützlich ist in ACR das Gerade-ausrichten-Werkzeug, mit dem sie die Möglichkeit haben, eine eventuell schiefe Kamerahaltung bei der Aufnahme zu korrigieren. Ziehen Sie hierzu mit gedrückter Linker Maustaste eine Linie im Vorschaubild. Das gesamte Bild wird entsprechend Ihrer Linie ausgerichtet und Sie erhalten so sehr schnell und komfortabel z. B. einen gerade verlaufenden Horizont. Beachten Sie, dass bedingt durch die Drehung des Bildes natürlich Bilddteile beschnitten werden müssen.

Bild 90° gegen Urzeigersinn drehen (Shortcut: „L“) / Bild 90° im Uhrzeigersinn drehen (Shortcut „R)

Wie der Name schon sagt kann das Bild über diese beiden Werkzeuge gedreht werden. Dies ist allerdings im Regelfall nicht erforderlich, da die meisten Kameras übermitteln ob die Aufnahme im Hoch- oder Querformat stattgefunden hat und das Bild deshalb bereits die richtige Ausrichtung hat.

Anzeigeoptionen

Rechts oben über dem Vorschaubild stehen für ACR drei Optionen für die Ansicht des Vorschaubildes zur Verfügung.

Vorschau

Gibt an, ob die vorgenommen Bildeinstellungen im Vorschaubild sichtbar sein sollen. Dies ist recht nützlich, um so etwas wie einen „Vorher – Nachher“ Vergleich anzustellen. Allerdings bezieht sich dies immer nur auf den jeweiligen Einstellungsreiter der gerade ausgewählt ist (also z. B. „Anpassen“, „Details“ etc…).

Tiefen und Lichter

Zeigen bei ausgewählter Option direkt im Vorschaubild an, welche Bereiche „absaufen“ (Tiefen) bzw. „ausfressen“ (Lichter). Dies ist eine sehr nützliche Funktion diese unerwünschten Phänomene sofort zu bemerken und nach Möglichkeit gegen zu steuern. Allerdings kann die permanente Anzeige sogar störend sein, deshalb empfehle ich Ihnen Sie lediglich bei Bedarf einzuschalten, bzw. eine andere Möglichkeit auf die wir später noch zu sprechen kommen.

Kanäle

Direkt neben den Anzeigeoptionen befindet sich die Anzeige „RGB“, welche die genauen Tonwerte anzeigt, sobald sich ein Werkzeug über dem Vorschaubild befindet. Diese Anzeige ist sehr nützlich, um exakte Tonwertverteilungen zu ermitteln

Das Histogramm

Die vielleicht wichtigste Funktion zur Beurteilung von digitalen Bildern darf natürlich auch in einem guten RAW-Konverter nicht fehlen. Die in ACR integrierte Histrogrammanzeige bietet Ihnen einen Überblick auf die Tonwertverteilung aller drei Kanäle. Kommt ein Tonwert in allen 3 Kanälen vor, so wird er zusätzlich noch weiß dargstellt. Achten Sie bei Korrekturen stets darauf, dass es keine allzu starken weißen Ausschläge am linken (Tiefen) sowie am rechten (Lichter) Rand gibt. Dies zeigt an, dass es „absaufende“ bzw. „ausfressende“ Tonwerte gibt. Ein Ausschlag von nur einem oder auch zwei Farbkanälen kann ja nach Motiv noch in Ordnung sein. Das Histogramm ist eines der wichtigsten Instrumente der Bildbearbeitung, behalten Sie es deshalb bei Änderungen am Bild stets im Auge!

Die Einstellungen in ACR werden in 5 verschiedene Gruppen unterteilt: Anpassen, Details, Blende, Kurve und Kalibrieren. In jeder Gruppe können diverse Einstellungen vorgenommen werden, deren Effekt sich durch Anzeigen der Vorschau (siehe weiter oben) ein- bzw. ausblenden lässt. Im Folgenden erhalten Sie eine detaillierte Übersicht über alle verfügbaren Einstellungen.

Anpassen

Wie Sie sicher bereits festgestellt haben können in der Registerkarte „Anpassen“ Einstellungen an der Belichtung sowie dem Weißabgleich vorgenommen werden. Standardmäßig nimmt ACR bereits eine automatische Korrektur der Einstellung für die Belichtung vor. Dies kann je nach Motiv bereits sehr gut oder auch besonders schlecht sein. Deshalb empfehle ich Ihnen, diese automatische Korrektur vorerst zu deaktivieren. Dies können Sie auf zwei verschiedenen Wegen vornehmen. Für Variante 1 klicken Sie mit der linken Maustaste auf den kleinen Pfeil neben „Einstellungen“. Wählen Sie in dem sich nun öffnenden Dialogfeld „Auto-Korrekturen-verwenden“. Für Variante 2 brauchen Sie lediglich „Strg“ + „u“ zu betätigen. Wenn Sie die Einstellungen doch wieder haben möchten, betätigen Sie die Tastenkombination ein weiteres Mal, bzw. klicken erneut auf „Auto-Korrekturen-verwenden“.

Weißbalance

Die erste Einstellungsmöglichkeit bezieht sich auf den Weißabgleich. ACR hält dafür bereits verschiedene Presets bereit, die eine Einstellung auf die zum Aufnahmezeitpunkt herrschenden Lichtverhältnisse ermöglichen.

Alternativ zu dieser Methode können Sie den Weißabgleich auch direkt über einen Kelvin-Regler einstellen. Dieser ermöglicht das präzise Abstimmen (je niedriger der Wert desto kälter, je höher desto wärmer) und wird durch den Farbton Regler für die genaue Farbabstimmung noch ergänzt. Experimentieren Sie hier nach Belieben mit dem Regler um ein Gefühl für die Veränderung zu bekommen.

Belichtungseinstellungen

Der erste Regler ist für die Einstellung der Belichtung zuständig. Ähnlich wie in der Kamera können Sie hier direkt Korrekturen an dem zu entwickelnden Bild vornehmen. Unser Beispielbild ist sowohl von meinem subjektiven Empfinden als auch vom Histogramm her eindeutig zu dunkel. Deshalb werde ich die Belichtung leicht nach oben schieben, um das Bild insgesamt aufzuhellen.

Wie auf dem Bild zu sehen habe ich mich für eine Aufhellung des gesamten Bildes um eine halbe Blendenstufe entschieden. Die Einstellung kann wahlweise direkt in dem zugehörigen Feld oder über den Schiebregler gesteuert werden (wie auf der Abbildung zu sehen). Um eine schnelle Übersicht zu erhalten ob durch die Einstellung Bereiche „ausfressen“, halten Sie während des Betätigens des Schiebreglers einfach die „Alt“-Taste gedrückt. Nicht nur dass somit das Aktivieren der Lichteranzeige unter den Anzeigeoptionen entfällt, diese Funktion hat sogar noch den Vorteil aufgrund der Farbe der „ausfressenden“ Bildteile den entsprechenden Kanal zu visualisieren!

Tiefen

Über den Tiefenregler können die bereits dunklen Bildpartien weiter in den dunklen Bereich verschoben werden. Je höher der Wert, desto stärker die Verschiebung. Wird der Regler auf den maximalen Wert von 100 geschoben bedeutet das aber nicht, dass das komplette Bild schwarz wird. Es werden lediglich die Tonwerte bis maximal zum 50%igen Grau beeinflusst. Generell kann die Veränderung der Tiefen den Gesamtkontrast des Bildes verbessern, allerdings sollte man auch hier Vorsicht walten lassen um keine „absaufenden“ Bildteile zu erhalten. Hier hilft auch, wie schon beim Belichtungsregler, während der Einstellung die „Alt“-Taste zu drücken. Damit wird im Vorschaubild angezeigt, welche Bereiche „abzusaufen“ drohen. Alternativ dazu kann in den Anzeigeoptionen natürlich auch „Tiefen“ aktiviert werden, was aber nur ein generelles „absaufen“ anzeigt, nicht unterteilt nach Kanälen. In unserem Beispielbild habe ich mich für eine leichte Einstellung von 5 entschieden.

Helligkeit

Der Helligkeitsregler wird von vielen Anwendern falsch verstanden, da sie denken es wäre das gleiche wie die Belichtung. Während sich die Einstellungen der Belichtung aber auf das gesamte Bild auswirken (also die Tiefen, Mitteltöne und Lichter), wird mit dem Helligkeitsregler nur die Helligkeit der mittleren Tonwerte (Mitteltöne) gesteuert. Das bedeutet, dass selbst ein Anheben dieser Einstellung auf das Maximum häufig nicht zu „ausfressenden“ Lichtern führt, da ja lediglich die mittleren Tonwerte beeinflusst werden. Hier ist es wichtig, dass Ihnen der Unterschied zwischen Belichtungssteuerung und Helligkeit klar ist! Zum besseren Verständnis hier zwei Vergleichsbilder.

Im ersten Bild habe ich den Helligkeitsregler ganz nach links gezogen, das Bild ist entsprechend sehr dunkel. Bei Blick ins Histogramm sehen wir allerdings, dass es kaum zu „absaufenden“ Bereichen kommt. Im zweiten Bild ist der Helligkeitsregler ganz nach rechts gezogen, das Bild ist nun sehr hell. Wiederum verrät uns aber ein Blick aufs Histogramm, dass es kaum „ausfressende“ Bereiche gibt. Sie sehen, es wurden lediglich die mittleren Tonwerte verschoben!

Da ich unser Beispielbild gerne etwas aufhellen möchte (die Mitteltöne!), reguliere ich den Helligkeitsregler auf einen Wert von 60.

Kontrast

Beim Kontrastregler gibt es ebenfalls häufiger Unklarheiten. Mit ihm lässt sich, wie der Name schon sagt, der Gesamtkontrast des Bildes steuern. Das hat wieder nichts mit einer Belichtungssteuerung zu tun! Vielmehr lässt sich damit regulieren, wie die Tonwertkurve verlaufen soll. Zieht man den Regler in den linken Bereich, wird der Kontrast flauer und die Tonwertkurve hat in den mittleren Bereich einen größeren Ausschlag (motivbedingt natürlich). Eine Regelung in den rechten Bereich vergrößert den Kontrast, die Tonwertverteilung wird „gestreckt“. Zur Verdeutlichung hier wieder zwei Bilder

Beim ersten Bild wurde der Kontrastregler ganz nach links geschoben, die Tonwertkurve läuft mittig zu und der Kontrast des Bildes ist äußerst flau. Beim zweiten Bild steht der Kontrastregler hingegen ganz rechts, die Tonwertkurve verläuft gestreckt. Der Kontrast ist extrem hoch.

Fürs Beispielbild entscheide ich mich für eine leichte Anhebung des Kontrasts auf einen Wert von 40

Sättigung

Auch aus Photoshop bekannt ist der Sättigungsregler, mit dem sich die Farbsättigung verringern oder erhöhen lässt. Wird der Regler ganz nach links geschoben, so erhalten Sie ein Bild ohne Farbsättigung, also ein Schwarz-Weiß Bild. Steht der Regler hingegen ganz rechts, wirkt das Bild total übersättigt und sieht aus wie Bonbonfarben. Ich persönlich halte wenig von einer generellen Sättigungserhebung, da davon automatisch immer alle Farben im Bild betroffen sind. Wesentlich mehr Sinn macht es, die Sättigung von einzelnen Farben zu verringern oder zu erhöhen. Hierfür gibt es ebenfalls eine Funktion in ACR, aber dazu später mehr. Im Beispielbild entscheide ich mich für eine minimale Anhebung der Gesamtsättigung auf den Wert von 5.

Details

Nachdem die Belichtung des Bildes nun optimal eingestellt wurde geht es zu den nächsten Einstellungen, den Details. Hier lässt sich die Schärfe des Bildes, eine Verminderung von Luminanzglättung (gegen Helligkeitsrauschen) sowie Farbstörungen (gegen Farbrauschen) regulieren.

Schärfen

Wahrscheinlich werden Sie sich denken: „Wie kann ich im RAW-Konverter schon schärfen, wenn ich doch noch gar nicht weiß in welcher Größe ich mein Bild später einmal brauchen werde? Das schärfen findet doch immer erst am Schluss jeder Bildbearbeitung statt!“. Ihr Wissen trügt Sie nicht, die Schärfung in ACR macht eigentlich wenig Sinn, da in der späteren Bearbeitung mit Photoshop schließlich noch Änderungen der Bildgröße vorgenommen werden können und wie bekannt ist, ja erst nach einer Größenänderung geschärft werden soll. Deshalb würde ich Ihnen empfehlen, insofern Sie ihr Bild nicht direkt in der Größe aus dem RAW-Konverter ausgeben können oder wollen, in der Sie es nachher auf dem gewünschten Medium ausgeben wollen, von einer Schärfung im RAW-Konverter abzusehen. In Photoshop lässt sich die Schärfung über den „Unscharf Maskieren“ Filter wesentlich genauer steuern.

Trotzdem möchten Sie vielleicht trotzdem bereits im RAW-Konverter sehen, wie Ihr Bild zumindest in etwa geschärft aussehen wird. Hierfür bietet ACR eine nützliche Funktion an, welche die Schärfung nur auf das Vorschaubild in ACR anwendet. Sie sehen also ein geschärftes Vorschaubild, beim späteren Import in Photoshop wird das Bild allerdings ohne jegliche Schärfung übertragen!

Um die Schärfung lediglich auf das Vorschaubild anzuwenden, klicken Sie mit der linken Maustaste auf den kleinen Pfeil neben „Einstellungen“ und wählen im sich nun öffnenden Menü „Voreinstellungen“ aus (oder alternativ „Strg“ + „k“).

Bei den Camera RAW-Voreinstellungen haben Sie nun die Möglichkeit, unter „Scharfzeichen anwenden auf“ „Nur Bilder in Vorschau anzeigen“ auszuwählen.

Bestätigen Sie die Eingabe nun mit einem Klick auf „Ok“. Wie Sie nun sehen, hat sich die Schrift bei „Schärfen“ verändert. Statt „Schärfen“ steht nun „Schärfen (nur Vorschau)“. Wir haben erreicht was wir wollten, die Einstellungen für die Bildschärfe wirken sich nun ausschließlich auf die Vorschau aus!

Luminanzglättung

Bestimmt ist Ihnen beim Durchsehen der Aufnahmen schon aufgefallen, dass Bildrauschen häufig in den dunklen Bildbereichen, also den Tiefen, auftritt. Um diesem Rauschen entgegenzuwirken, bietet ACR die Luminanzglättung an. Je höher der eingestellte Wert, desto stärker wird das Rauschen in diesem Bildbereich unterdrückt. Um dies reell beurteilen zu können, arbeiten Sie mindestens in der 100% Ansicht. Beachten Sie, dass eine starke Luminanzglättung natürlich auch auf möglicherweise wichtige Bilddetails Einfluss nimmt. Arbeiten Sie deshalb niemals mit extrem hohen Werten und beurteilen Sie den Effekt stets bei relativ starken Vergrößerungen. Um Ihnen den Effekt der Luminanzglättung zeigen zu können, öffne ich mir hier ein zweites Bild das mit einem ISO Wert von 1600 aufgenommen wurde. Ich zoome mich in die dunkeln Bildbereich hinein und Sie sehen das starke Bildrauschen

Um den Effekt der Glättung stärker sichtbar zu machen, regle ich nun die Luminanzglättung auf das Maximum von 100. In der Praxis würde das keinen Sinn machen, da das ganze Bild dadurch eklatant an Details verliert.

Sie sehen, dass sich das Bildrauschen in den Helligkeitsinformationen deutlich verringert hat, auf Kosten der Details. Farbstörungen sind jedoch nach wie vor vorhanden, diese werden wir mit Hilfe der Farbstörungsreduktion bekämpfen.

Farbstörungsreduktion

Während die Luminanzglättung Bildrauschen in den Helligkeitsinformationen bekämpft, dient die Farbstörungsreduktion zur Reduktion von Bildrauschen in den Farbinformationen des Bildes. Auch hier gilt, dass eine Beurteilung nur in der 100% Ansicht Sinn macht. Ebenfalls geht eine starke Reduktion der Farbstörungen mit einem Verlust an Bilddetails einher. Deshalb sollte auch hier stets mit geringen Werten gearbeitet werden.

Unser bereits im letzten Schritt „Luminanzglättung“ bearbeitetes Bild wollen wir zur Verdeutlichung der Farbstörungsreduktion nun nochmals bearbeiten. Hierzu regle ich die Funktion wieder auf den Maximalwert von 100. Wie Sie sehen, wird das Farbrauschen nun deutlich reduziert (allerdings auch auf Kosten der Details)

Abschließend kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass die derzeit aktuellen Anti-Rausch Programme wie NeatImage, NoieNinja etc… zu deutlich besseren Ergebnissen kommen als die Luminanzglättung und die Farbstörungsreduktion. Dennoch kann es sinnvoll sein, eine leichte Reduzierung bereits im RAW-Konverter vorzunehmen.

Blende

Wurden die „Details“ Einstellungen vorgenommen wartet nun die Registerkarte „Blende“ auf unsere Aufmerksamkeit. Hier haben Sie die Möglichkeit, objektivbedingte Abbildungsfehler wie Chromatische Aberration und Vignettierung zu reduzieren.

Chromatische Aberration

Um Chromatische Aberration (Farblinien an Rändern im Bild) zu reduzieren stehen Ihnen in ACR zwei Regler zur Verfügung. Der Erste gleicht Rot/Cyan Ränder aus, der Zweite Blau/Gelb Ränder. Zoomen Sie bei diesen Einstellungen unbedingt in die 100% Ansicht, um den Effekt der Korrektur richtig beurteilen zu können. In der 100% Ansicht sehen Sie ebenfalls sehr schnell, um welche Art von CA es sich handelt (Rot/Cyan oder Blau/Gelb).

Vignetteriung

Sie bemerken eine eventuell vorhandene Vignettierung in Ihren Bildern dadurch, dass Ihre Bilder einen Helligkeitsverlust zu den Rändern hin aufweisen. Photoshop bietet zum Korrigieren ebenfalls zwei Regler, der erste reguliert den „Betrag“, letztlich also die Stärke, der zweite legt den „Mittelpunkt“ fest. Um Ihnen den Effekt der Vignettierung deutlich zu machen, werde ich für unser Testbild den „Betrag“ Regler ganz nach links ziehen, also bewusst eine starke Vignettierung produzieren.

Tatsächlich ist die Vignettierung natürlich deutlich schwächer, aber nun sehen Sie sehr schön, wie dieser Effekt aussieht. Einen weiteren positiven Effekt hat das Produzieren dieser starken Vignettierung aber! Wir können so sehr schön beurteilen, ob der Mittelpunkt richtig eingestellt ist. Bei genauem Hinsehen werden wir feststellen, dass die Vignettierung im rechten Bildbereich stärker ausgeprägt ist als im linken. Dementsprechend müssen wir mit dem „Mittelpunkt“ Regler korrigieren, um eine möglichst symmetrische Vignettierung zu erhalten. Als nächstes regulieren wir mit dem „Stärke“ Regler die Reduzierung, bis keine schwarzen Ränder mehr zu sehen sind. Im Beispielbild entscheide ich mich für einen Mittelpunkt von 60 und eine Stärke von 5.

Falls Ihnen die Vignettierungskorrektur zu umständlich sein sollte, schauen Sie sich doch mal das Tool „PTLens“ an. Es nimmt anhand der Kamera- und Objektivdaten die Korrektur voll automatisch vor, allerdings erst in Photoshop und nicht bereits in ACR.

Kurven

Nachdem nun also die Belichtung angepasst, etwaige Bildstörungen reduziert und CAˋs sowie Vignettierung entfernt sind kommt nun die Korrektur der „Kurven“, also der Gradationskurve. Die Bedienung ist mit der aus Photoshop praktisch identisch. Standardmäßig bietet ACR bereits drei voreingestellte Kurven, Linear, Mittlerer Kontrast, Starker Kontrast. Selbstverständlich können die Kurven auch individuell bearbeitet werden, hierfür steht die Funktion „Eigene“ zur Verfügung.

Sehr nützlich ist des Weiteren, dass man durch Halten der „Strg“ Taste und gleichzeitigem Klick auf die gewünschte Farbe im Bild automatisch einen oder mehrere Korrekturpunkt(e) auf der Kurve setzen kann. So ist gewährleistet, dass exakt der gewünschte Farbton korrigiert wird.

Für das Beispielbild entscheide ich mich für den „Mittleren Kontrast“ und „drücke“ die Kurve in den Tiefen noch ein wenig nach unten. Dies ist sehr schön zu sehen, da die eigentlich voreingestellte Kurve vor der Korrektur in leichtem Grau weiterhin angezeigt wird.

Kalibrieren

Wie bereits weiter oben angesprochen, gibt es eine elegantere Methode um die Farben im Bild zu verändern und zu verstärken als die Verwendung des „Farbsättigung“ Reglers. Es sind die so genannten Kalibrierungseinstellungen, die den eigentlichen Sinn haben, nach dem Abfotografieren eines Farbkalibrierungscharts die Farben richtig zu justieren. Sie eignen sich darüber hinaus aber ausgezeichnet zur selektiven Farb- und Sättigungssteuerung der einzelnen Kanäle.

In unserem Beispielbild sind die dominanten Farben Grün und Blau. Um dies noch weiter zu verstärken, kann nun der Farbton dieser beiden Farben modifiziert und die jeweilige Sättigung erhöht oder verringert werden. Ich denke wir sind uns einig, dass eine Sättigungssteigerung von Grün und Blau dem Bild gut tun würde. Wir müssen nur darauf achten, dass wir keine „Bonbonfarben“ produzieren. Ich entscheide mich deshalb für eine moderate Sättigungssteigerung von jeweils 10 pro Kanal, den Farbton selbst lasse ich unangetastet.

Nach den Anpassungen

Das Bild ist nun mit allen Einstellungsmöglichkeiten die ACR bietet korrigiert und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Die Belichtung ist korrekt, Objektivfehler sind korrigiert, der Kontrast wurde durch Verwendung der Kurven verbessert und die Farben optimal „kalibriert“. Das Einzige was nun noch fehlt, ist ein besserer Schnitt, da der abgeschnittene Baum am rechten Bildrand störend ist. Hierzu wähle ich das Freistellungswerkzeug und halte die linke Maustaste dabei gedrückt. In dem sich öffnenden Menü entscheide ich mich für das Verhältnis von „2×3“. Nun ziehe ich den Bildausschnitt so, dass unerwünschte Bildteile abgeschnitten werden.

Der Abschnitt der später in Photoshop nicht mehr zu sehen sein wird ist nun nur noch leicht grau zu erkennen.

Workflow-Optionen

Bevor das fertig angepasste Bild nun in Photoshop geöffnet wird, sollten Sie sich die Workflow-Optionen ansehen.

Farbraum

Hier können Sie definieren, in welchem Farbraum ihr Bild aufgenommen wurde. Es gibt ganze Bücher zum Thema Farbraum, darum werde ich jetzt nicht auf die Wahl des „richtigen Farbraums“ eingehen. Sie haben die Wahl zwischen sRGB und AdobeRGB.

Farbtiefe

Sie haben die Wahl zwischen 8Bit und 16Bit pro Kanal. Wenn Sie vorhaben in Photoshop noch größere Änderungen an dem Bild vorzunehmen, empfehle ich Ihnen 16Bit. Ansonsten sind für den Hausgebraucht 8Bit meistens ausreichend.

Bildgröße / Freistellen – Größe

Je nachdem ob Sie mit dem Freistellungswerkzeug gearbeitet haben oder nicht wird hier entweder „Bildgröße“ bzw. Freistellen Größe angezeigt. Unter Bildgröße haben Sie die Möglichkeit, das Bild zu verkleinern oder zu vergrößern (mit Angabe der entsprechenden Mpix). Wurde mit dem Freistellungswerkeug gearbeitet, wird die noch verbleibende Bildgröße (ebenfalls mit Angabe der entsprechenden Mpix) angezeigt. Natürlich kann auch hier noch eine Vergrößerung bzw. Verkleinerung durchgeführt werden.

Auflösung

Hier können Sie angeben, mit welcher Auflösung Ihr Bild ausgegeben werden soll.

Wie geht es nun weiter?

Nachdem das Bild nun fertig ist haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Sie können es entweder direkt in Photoshop öffnen, die Änderungen durch einen Klick auf „Fertig“ lediglich speichern oder das Bild in einem anderen Speicherort ablegen.

Es gibt aber auch noch weitere Möglichkeiten, die allerdings erst dann sichtbar werden, wenn Sie die „Alt“ Taste gedrückt halten.

Nun können Sie weiterhin „Speichern“, haben des Weiteren aber auch die Möglichkeit eine Kopie des Bildes zu öffnen. Sehr schön ist ebenfalls die Möglichkeit durch einen Klick auf „Standardwerte“ sämtliche vorgenommene Änderungen wieder rückgängig zu machen.

© by jd-photography.de

 

 

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