Grundlagen Nachtaufnahmen (Nightshots)

Wer kennt sie nicht, die beeindruckenden Aufnahmen von Landschaften, Städten und Gebäuden bei Nacht. Wenige fotografische Themengebiete begeistern die Menschen so stark wie Nachtaufnahmen, weshalb auch in einschlägigen Fotoforen in regelmäßigen Abständen immer wieder Fragen nach der richtigen Aufnahmetechnik gestellt werden. Dieser Workshop soll Ihnen einen kleinen Einblick in dieses faszinierende Themengebiet geben, den Einstieg erleichtern und Ihnen bereits im Vorfeld potenzielle Fehlerquellen aufzeigen, welche gerade im Anfangsstadium zu Frustration führen können.

Ich gehe in diesem Workshop davon aus, dass Sie über eine digitale Spiegelreflexkamera verfügen. Obwohl sich alle Schritte auf ein solches Modell beziehen, lässt sich das meiste selbstverständlich auch mit anderen Kameratypen realisieren. Zusätzlich sollten Sie bereits über grundlegende Kenntnisse der Fotografie verfügen sowie sicher im Umgang mit Ihrer Kamera sein. Falls dennoch über den einen oder anderen Punkt Unklarheiten bestehen, scheuen Sie sich nicht mich per Mail unter webmaster@jd-photography.de zu kontaktieren.

Ausrüstung

Bevor wir uns auf Motivsuche begeben wollen wir zunächst abklären, welches Equipment wir benötigen. Neben der Kamera sowie dem Objektiv selbst ist ein stabiles Dreibein- Stativ bei Nachtaufnahmen ein praktisch unverzichtbares Hilfsmittel. Da wir bei Dunkelheit entsprechend lange belichten müssen, ist es ohne einen stabilen Untergrund praktisch unmöglich, scharfe Bilder zu erzeugen. Achten Sie vor allem auf die Stabilität des Stativs, denn in der freien Natur sind wir häufig Wind ausgesetzt, welcher bei den weniger stabilen Ausführungen sehr leicht Verwacklungsunschärfe verursacht. Ein Einbein- Stativ eignet sich für Nachtaufnahmen aufgrund der wesentlich geringeren Stabilität weniger.

Damit beim späteren Auslösen der Kamera keine Verwacklungsunschärfe entstehen kann, empfiehlt es sich auf einen Fernauslöser zurückzugreifen. Falls für Ihr Kameramodell kein Fernauslöser angeboten wird besteht, abhängig vom Kameramodell, eventuell die Möglichkeit die Kamera per Selbstauslöser zu steuern. Zwar ist dies nicht ganz so komfortabel wie mit einem Fernauslöser, jedoch auf jeden Fall besser als das Auslösen von Hand.

Falls Ihre Kamera bei Langzeitaufnahmen die Belichtungsdauer nicht anzeigt, sollten Sie eine Stoppuhr in Ihre Kameratasche packen. Dadurch können Sie später komfortabel die bereits verstrichene Zeit überprüfen. Sollte Ihre Kamera über eine Anzeige der Belichtungsdauer verfügen, ist dennoch Vorsicht geboten. Die meisten Modelle zeigen die Zeit zwar an, jedoch wird das Display nicht beleuchtet, wodurch sie sich nicht ablesen lässt. Dies verführt häufig dazu, die eventuell vorhandene Displaybeleuchtung zu aktivieren, was natürlich zu einer Verwacklung der Aufnahmen führen kann. Sollte keine Beleuchtung an der Kamera vorhanden sein, wird häufig mit einer Taschenlampe Licht auf das Display der Kamera geworfen. Wenn dieses Licht versehentlich in den Sucher gelangt, kann es zu unerwünschten Bildfehlern kommen.

Da es bei Nachtaufnahmen entsprechend dunkler ist macht es in jedem Fall Sinn, eine Taschenlampe einzupacken. Damit wird es später bei den Aufnahmen leichter fallen, die Kamera richtig einzustellen und auszurichten.

Eventuell macht es Sinn, eine kleine Libelle (Wasserwaage) am Blitzschuh der Kamera zu befestigen, um schiefe Aufnahmen zu vermeiden. Dies ist natürlich keine feste Voraussetzung, erleichtert aber das Arbeiten dennoch ungemein. Ich persönlich verwende die kleine Wasserwaage mittlerweile bei fast all meinen Aufnahmen, da ich so keinerlei Probleme mehr habe, die Kamera optimal auszurichten. Der Preis für dieses äußerst nützliche Tool beträgt leider rund 20 €. Eine Investition, die sich meiner Meinung nach aber lohnt.

Vor der Aufnahme

Festlegung eines Motivs

Der wesentliche Teil ist natürlich das Motiv, weshalb dessen Auswahl einer der wichtigsten Schritte zu einer gelungenen Nachaufnahme ist. Suchen Sie sich ein interessantes Objekt aus, möglich wären z. B. Kirchen, Städtepanoramen, Industrieanlagen etc… Zum Üben empfiehlt sich anfangs ein Objekt, das nahe an Ihrem Wohnort liegt und welches leicht erreichbar ist. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, im Anfangsstadium immer wieder zu diesem Objekt zurückzukehren und die entstehenden Ergebnisse miteinander zu vergleichen, was einen großen Lerneffekt mich sich bringt.

Zeitpunkt

„Natürlich Nachts!“ werden Sie sich jetzt denken. Der bessere Zeitpunkt ist aber häufig die so genannte „Blaue Stunde“. Als „Blaue Stunde“ bezeichnet man die Zeit ca. 20 min vor dem Sonnenaufgang sowie ca. 20 min nach dem Sonnenuntergang. In dieser Zeit ist der Himmel nicht komplett in Dunkelheit gehüllt, sondern verfügt noch über eine leichte Zeichnung. Zudem wird das Fokussieren aufgrund der vorhandenen Helligkeit ein wenig erleichtert. Beachten Sie, dass Sie das optimale Licht nicht unmittelbar nach dem Sonnenuntergang vorfinden. Häufig ist das Licht dann sehr kalt und wirkt bei den Aufnahmen bläulich. Es empfiehlt sich, die Aufnahme erst ab ca. 5 Minuten nach dem Sonnenuntergang zu machen, da sich das natürlich Licht dann hervorragend mit dem künstlichen Licht der Beleuchtung vermischt. Ein weiterer Vorteil der „Blauen Stunde“ ist der nicht ganz so starke Kontrastumfang im Vergleich zu Aufnahmen bei völliger Dunkelheit.

Problematisch ist bei Nachtaufnahmen der generell sehr hohe Dynamikumfang, der den von herkömmlichen DSLR- Kamera darstellbaren von maximal ca. 8,5 – 9 Blenden häufig übersteigt. Dies lässt sich mit normalen fotografischen Mitteln nur sehr schwierig bzw. häufig überhaupt nicht verhindern. Um unter solchen Bedingungen dennoch gute Ergebnisse zu erzeugen empfiehlt sich die Verwendung der so genannten HDRI (High Dynamic Range Increase) Technik in der anschließenden Nachbearbeitung der Aufnahmen.

Zusammenfassung

Wie Sie sicher festgestellt haben, bleiben Ihnen für Aufnahmen zur „Blauen Stunden“ also lediglich ca. 40 Minuten am Tag (eher weniger als mehr). Dadurch ist entsprechende Planung und Motivwahl umso wichtiger. Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn am Abend auf gut Glück loszuziehen und Motive zu suchen. Selbst wenn Sie ein Motiv finden, wird das Licht nur in den wenigsten Fällen optimal für Nachtaufnahmen sein. Deshalb empfiehlt es sich, bereits an den Abenden (oder natürlich auch schon tagsüber) zuvor loszuziehen und sich auf die Suche nach ansprechenden Motiven zu machen. Haben Sie die gewünschten Motive gefunden, so können Sie ganz gezielt zur entsprechenden Uhrzeit, nämlich dann wenn das Licht optimal ist, dort sein und die Aufnahmen machen.

Die Aufnahme

Vorbereitungen

Wie oben beschrieben sollten Sie sich zunächst für ein Motiv entscheiden und zur richtigen Zeit vor Ort sein. Nach der Festlegung der optimalen Kameraposition stellen Sie das Stativ auf und befestigen die Kamera darauf. Lassen Sie sich für diesen Vorgang ganz besonders viel Zeit und stellen Sie den Bildausschnitt konzentriert ein. Ist der Bildausschnitt schlecht gewählt bzw. lenken nicht zum Motiv gehörende Gegenstände ab kann auch im Nachhinein oft nicht mehr viel verbessert werden.

Kameraeinstellungen

Aufnahmeformat

Falls es Ihre Kamera ermöglicht, sollten Sie sich für das RAW- Format entscheiden. Der Vorteil ist neben der besseren Qualität des Ausgangsmaterials die größere Farbtiefe sowie die daraus entstehenden erweiterten Möglichkeiten in der Nachbearbeitung.

ISO-Empfindlichkeit

Einer der häufigsten Einstellungsfehler ist ein zu hoher ISO Wert. Da die Belichtungszeit für Aufnahmen aus der Hand sowieso zu lange ist und wir deshalb ein Stativ verwenden sollte der ISO- Wert auf die niedrigste Stufe geregelt werden, um Bildrauschen so gering wie möglich zu halten. Bei digitalen SLR Modellen von Canon bietet sich hier die Einstellung von ISO 100 an (bei Modellen aus der 1er Reihe auch ISO 50, wobei diese Einstellung unter anderem eine Verminderung des Dynamikumfangs mit sich bringt).

Aufnahmemodus

Grundsätzlich macht es Sinn, im M-Modus zu fotografieren. Dadurch haben Sie vollen Einfluss auf die Belichtungszeit sowie auf die Blende und können unser Motiv dadurch ganz nach unseren Vorlieben gestalten. Zudem kommt hinzu, dass die Automatik vieler Kameras die Belichtungszeit von sich aus nicht länger als bis auf 30 Sekunden einstellen kann. Es wird also erforderlich, die Belichtungszeit auf „Bulb“ zu setzen, wodurch Sie die Belichtungszeit nahezu völlig frei einstellen können. Diese Einstellung steht im Regefall nur im M-Modus zur Verfügung. Durch das Einstellen der Belichtungsdauer auf „Bulb“ wird bei erstmaligem Betätigen des Auslösers die Belichtung begonnen (sollten Sie SVA (siehe unten) aktiviert haben, müssen Sie entsprechend zweimal den Auslöseknopf betätigen, da beim ersten Mal ja lediglich der Spiegel nach oben klappt und erst beim zweiten Mal die tatsächliche Belichtung beginnt). Beim zweiten Betätigen des Auslösers wird die Belichtung wieder beendet. Der große Vorteil dieser Methode ist, dass Sie dadurch die Belichtungsdauer nahezu frei steuern können und auch für sehr widrige Lichtsituationen gut gerüstet sind.

Fokussierung

Da wir es mit weniger guten Lichtverhältnissen zu tun haben kann eine manuelle Fokussierung sinnvoll sein. Der Vorteil hierbei liegt ganz klar in der maximalen Kontrolle seitens des Fotografen. Falls Ihre Kamera das Wechseln der Mattscheiben erlaubt macht es Sinn, eine möglichst helle zu verwenden um die Fokussierung weiter zu erleichtern.

Blende und Belichtungszeit

Die richtige Belichtung bei Nachtaufnahmen ist häufig nicht so trivial und erfordert ein wenig Einarbeitung und Routine. In vielen Fällen wird der kamerainterne Belichtungsmesser nicht die optimale Belichtungszeit bestimmen können, uns aber zumindest einen groben Richtwert liefern. Ich empfehle Ihnen, grundsätzlich mit Belichtungsreihen zu arbeiten. Die Anzahl der Belichtungsreihen ist abhängig vom Motiv und Ihren Vorstellungen. Ein guter Ausgangspunkt ist, das Bild jeweils zusätzlich mit -1 sowie +1 Belichtungswert zu belichten. Für spätere Verwendung mit HDRI kann es empfehlenswert sein, diese Reihe weiter zu ergänzen, z. B. nach dem Muster -3, -2, -1 sowie +1, +2, +3 Belichtungsstufen. Um feinere Abstufungen zu erhalten, stehen Ihnen natürlich auch ½ bzw. 1/3 Werte zur Verfügung. Es gibt keine pauschalen Werte für die Belichtungsreihen, hier ist der Kontrastumfang und der spätere Verwendungszweck (Stichwort HDRI) natürlich ein entscheidendes Kriterium.

Durch die Histogramm- Funktion an den meisten Kameras können Sie bereits vor Ort die Belichtung sehr gut überprüfen und ggf. weitere Aufnahmen mit anderen Belichtungseinstellungen vornehmen. Zuhause am PC lässt sich anschließend sehr schön abwägen, welches Bild vom Aussehen her am Besten wirkt. Prinzipiell empfiehlt es sich um die optimale Abbildungsleistung des Objektivs zu erreichen 1 bis 2 Blenden abzublenden. Weiteres abblenden erzeugt in den Lichtern physikalisch bedingt durch Beugung an den Lamellen der Blende einen Sterneneffekt, der nicht jedermanns Sache ist. Hier entscheidet, da durch die Verwendung des Stativs die Belichtungszeit im Regelfall keine Rolle spielt, ihr persönlicher Geschmack über die Einstellung.

Eine wichtige Voraussetzung für die korrekte Belichtung ist das Verständnis für den Belichtungsmesser und die unterschiedlichen Messverfahren sowie des Themas Belichtung im Allgemeinen. Nur mit diesem Wissen können Sie die angezeigten Ergebnisse richtig interpretieren und ggf. korrigieren. Falls Sie sich in diesem Bereich noch nicht so gut auskennen möchte ich Ihnen den Workshop Grundlagen Belichtung ans Herz legen. Dieser Workshop gibt Ihnen eine gute Einführung in das Thema Belichtung und zeigt ebenfalls die Funktionsweise der einzelnen Belichtungsmessmodi auf.

Rauschreduzierung (optional)

Viele moderne Kameras verfügen bereits von Haus aus über eine Funktion, um bei Langzeitaufnahmen das Bildrauschen zu reduzieren. Hierbei wird neben dem eigentlichen Bild noch ein so genanntes „Darkframe“ mit aufgezeichnet. Anhand dieses Bildes wird das im eigentlichen Bild auftretende Rauschen nach der Aufnahme reduziert. Beachten Sie allerdings, dass dieser Vorgang genauso lange wie die eigentliche Belichtung dauert und sehr viel Strom verbraucht. Generell empfehle ich die Aktivierung dieser Funktion, falls Ihre Kamera über eine solche verfügt.

Sonstiges

Nicht bei allen Nachtaufnahmen ist eine extrem lange Belichtungszeit erforderlich. Häufig ist genug Licht vorhanden, um mit einer relativ kurzen Belichtungszeit auszukommen (jedoch nicht kurz genug um ohne Stativ zu arbeiten). Im kritischen Belichtungszeitraum kann durch den Spiegelschlag bereits Verwacklungsunschärfe entstehen. Dieser kritische Bereich liegt ca. zwischen 1/15 s – 2 s. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich die Verwendung der Spiegelvorauslösung (SVA). Diese Funktion bewirkt, dass nach dem Betätigen des Auslösers der Spiegel hochgeklappt wird und die Vibration vor der Aufnahme abklingen kann. Die eigentliche Aufnahme beginnt erst beim zweiten Betätigen des Auslösers.

Wie oben schon erwähnt sollte zudem die Kamera stets über einen Fernauslöser gesteuert werden, da es beim Auslösen von Hand häufig zu Unschärfen kommt.

Da bei Nachtaufnahmen vom Stativ aus gearbeitet wird, liegt der Sucher bei der eigentlichen Aufnahme häufig frei wodurch Fremdlicht einfallen kann. Dies kann wie oben schon beschrieben zu Bildfehler führen, weshalb der Sucher abgedeckt werden sollte. 1er Modelle von Canon verfügen hierfür über einen kleinen Hebel, mit welchem sich der Sucher verschließen lässt. Zwei und dreistellige Modelle haben am Gurt eine kleine schwarze Gummikappe, mit welcher sich der gleiche Effekt erzielen lässt.

Sollte der Vorder- bzw. Hintergrund wesentlich heller sein als der Rest des Bildes, kann die Verwendung eines Grauverlaufsfilters Sinn machen. Dadurch kann der Kontrastumfang des Bildes vermindert und so eventuell absaufende Tiefen bzw. ausfressende Lichter vermieden werden. Generell empfiehlt sich bei Verlaufsfiltern die Verwendung von Steckfiltern, da der Verlauf bei dieser Filterart variabel eingestellt werden kann. Schraubfilter hingegen haben den Verlauf an einer fixen Stelle und sind deswegen weniger gut geeignet.

Gerade bei Nachtaufnahmen werden Ihnen möglicherweise „bunte“ Bildpunkte in den Aufnahmen auffallen. Der Grund dafür sind sich erhitzende Pixel, welche im späteren Bild als bunte Pixel sichtbar sind. Dieses Phänomen ist bis zu einem gewissen Grad normal und lässt nicht auf einen Defekt der Kamera schließen.

Beachten Sie, dass gerade bei sehr langen Belichtungen der Stromverbrauch der Kamera sehr hoch sein kann. Packen Sie im Zweifelsfall also lieber einen Ersatzakku mehr ein, denn an einem leeren Akku soll der Fotoausflug doch wahrlich nicht scheitern.

Tipp

Ich empfehle Ihnen möglichst viel mit den Einstellungen zu experimentieren, um ein Gefühl für die richtige Belichtung sowie die unterschiedlichen Blendeneffekte zu bekommen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, also lassen Sie sich von eventuellen anfänglichen Misserfolgen nicht abschrecken. Bedenken Sie immer, dass ein gutes Bild stets durch die richtigen Entscheidungen und Einstellungen des Fotografen entsteht und kein Zufallsprodukt ist. Lassen Sie sich bei den Einstellungen Zeit und richten Sie all Ihre Konzentration auf die Aufnahme. Durch bewusste, konzentrierte Bildgestaltung sowie Beherrschung der richtigen Aufnahmetechnik werden Sie Ihre Ergebnisse am ehesten verbessern können, nicht wie häufig angenommen durch teueres Equipment.

Abschließende Nachbearbeitung

Wenn Sie die Aufnahmen im RAW- Format aufgenommen haben, so haben Sie in der Nachbearbeitung nun ein Maximum an Einstellungs- und Korrekturmöglichkeiten. Wie Sie das Bild anpassen, hängt natürlich ganz von Ihren persönlichen Vorstellungen und vom Motiv selbst ab. Deshalb möchte ich Ihnen hier lediglich einige Stichpunkte nennen, die Sie bei der Bearbeitung beachten sollten.

Falls Sie über keine Kenntnisse zum Thema RAW- Entwicklung verfügen, empfehle ich Ihnen unseren Workshop RAW Basis-Workflow. Dieser bezieht sich zwar nicht direkt auf die Entwicklung von Nachtaufnahmen, zeigt aber schrittweise die Entwicklung eines RAW- Bildes direkt aus der Kamera bis hin zum fertigen Bild auf.

Weißabgleich

Da wir es bei Nachtaufnahmen im Regefall mit Kunstlicht zu tun haben, wird der automatische Weißabgleich selten richtig liegen. Experimentieren Sie deshalb mit dem Farbtemperatur-Regler in Ihrem RAW- Konverter und passen Sie das Bild nach Ihren Vorstellungen an. Da sich der Weißabgleich im RAW- Konverter komfortabel regulieren lässt macht es wenig Sinn, bereits bei der Aufnahme Einstellungen vorzunehmen. Meine Kamera steht deshalb bei Nachtaufnahmen stets auf AWB (Automatic White Balance).

Tiefen/Lichter

Aufgrund des großen Dynamikumfangs von Nachtaufnahmen kommt es häufig zu überstrahlenden Lichtern und absaufenden Tiefen. Um diese Effekte zu minimieren kann versucht werden, die Lichter leicht abzudunkeln bzw. die Tiefen leicht aufzuhellen (abhängig vom Motiv). Aufgrund der hohen Farbtiefe von RAW- Aufnahmen lassen sich häufig auch aus längst abgeschriebenen Bildbereichen noch erstaunlich viele Farbinformationen herausholen. Experimentieren Sie auch hier mit verschiedenen Werten, beachten Sie aber, dass durch aufhellen der Tiefen das Bildrauschen verstärkt wird. Es gilt also, einen optimalen Konsens zwischen Aufhellen und Rauschfreiheit zu ermitteln.

Um partiell zu bearbeiten empfiehlt sich die Verwendung der beiden Werkzeuge  „Nachbelichter“ und „Abwedeln“, welche z. B. in Adobe Photoshop integriert sind. Sie ermöglichen eine selektive Korrektur von einzelnen Bereichen in Ihrer Aufnahme.

Schärfe

Wie Sie sicher bereits gewohnt sind, ist eine Nachschärfung der Aufnahmen im RAW- Format praktisch unumgänglich. Für Benutzer von Adobe Photoshop hat sich die Verwendung des „Unscharf Maskieren“ Dialogs bewährt. Selbstverständlich liefern aber auch andere Programme sowie Fremdhersteller PlugIns zum Teil sehr gute, zum Teil sogar bessere Ergebnisse. Auch hier gilt die Devise, dass probieren über studieren geht. Testen Sie doch an einem regnerischen Tag verschiedene Programme, um das für Sie optimale zu ermitteln. Spätestens bei den nächsten zu schärfenden Aufnahmen werden Sie von den neu gewonnenen Erfahrungen profitieren und Ihre Bilder dadurch nochmals verbessern können!

Bildrauschen

Trotz der stetigen Verbesserung des Rauschverhaltens kommt es gerade durch die lange Belichtungszeit bei Nachtaufnahmen dennoch häufig zu unerwünschtem Bildrauschen (ganz lässt sich das auch mit der eventuell aktivierten Funktion zur Rauschreduzierung nicht verhindern). Ob Sie dies als störend empfinden hängt natürlich vom Motiv und Ihren eigenen Vorlieben ab. Um das Rauschen zu minimieren gibt es viele Methoden, ab Version 9 von Adobe Photoshop ist beispielsweise ein Filter für das Reduzieren von Bildrauschen implementiert. Ich persönlich verwende das kostenpflichtige Plug-In NeatImage, dessen Ergebnisse mich mehr überzeugen als die der diversen anderen am Markt erhältlichen Programme einschließlich des Filters in Photoshop 9.

HDRI-Programme (optional)

Wie bereits angesprochen verfügen Nachtaufnahmen häufig über einen sehr hohen Dynamikumfang, der den des Sensors übersteigt. Um den Dynamikumfang zu komprimieren, kann eine so genannte HDRI- Software hilfreich sein. Grob beschrieben liest diese Software die von Ihnen erstellten Belichtungsreihen ein und bildet aus den unterschiedlichen Belichtungswerten einen Mittelwert. Richtig angewendet erhalten Sie so ein ausgewogeneres Bild.

Beachten Sie, dass sich als Ausgangsmaterial für HDRI am besten eine Belichtungsreihe eignet. Zwar besteht ebenso die Möglichkeit, die Belichtung einer einzigen RAW- Aufnahme bei der Entwicklung im RAW- Konverter abzuändern und das Bild mit verschiedenen solcher Einstellungen zu entwickeln, jedoch ist das Ergebnis im Regelfall nicht so gut wie bei einer richtigen Belichtungsreihe.

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2 Gedanken zu „Grundlagen Nachtaufnahmen (Nightshots)

  1. Guest

    Soweit wirklich schön, aber schade das in dieser Anleitung nichts von Hotpixel erwähnt wird. Immerhin kommt es ja recht häufig vor.

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