Review: Praxis Capture One Pro von Sascha Erni – 2. Auflage

Vor ein paar Tagen erreichte mich ein schickes Paket des d.punkt Verlags per Post. Da ich nichts bestellt hatte war ich ganz besonders neugierig auf den Inhalt und schaute nicht schlecht, als ich das neue Buch von Sascha Erni „Praxis Capture One Pro“ in den Händen hielt. Nach rund zwei Jahren also das erste Update jenes Buches, welches ich praktisch allen Neueinsteigern und Fortgeschrittenen zur Arbeit mit Capture One empfehle. In den folgenden Zeilen möchte ich Euch einen Eindruck des Updates geben und beleuchten, für wen sich der Kauf der neuen Auflage lohnt.

Das Buch im Überblick

Wie bereits bei der ersten Auflage fällt sofort der üppige Umfang ins Auge. Nach wie vor umfasst das Buch mehr als 400 Seiten. Diese sind nach wie vor einwandfrei gestaltet und sehr hochwertig bedruckt, sodass sich die einzelnen Erläuterungen sehr gut nachvollziehen lassen. Einer der Hauptkritikpunkte der ersten Auflage, das teilweise etwas fragile Softcover, wich einem edlen und robusten Hardcover Einband, welcher dem Buch zu einem gänzlich anderem haptischen Eindruck verhilft. Zwar kann das Buch nun nicht mehr so problemlos in die angenehmste Leseposition „gequetscht“ werden, jedoch liegt das Cover insbesondere bei der Arbeit auf dem Schreibtisch stabil auf.

Im Vergleich zur ersten Auflage lässt sich also positiv feststellen, dass eine wesentliche Aufwertung des Buchs durch die Verwendung des Harcover Einbands erzielt werden konnte. Der Kritikpunkt des sich auflösenden Softcovers bei der ersten Auflage wurde also konsequent behoben.

Didaktik, oder: Theorie und Praxis

Nichts geändert hat sich im Vergleich zur ersten Auflage an der aus meiner Sicht ausgezeichneten Didaktik. Sascha Erni gelingt es, den Lesen schrittweise durch die einzelnen Funktionen zu führen, ohne dabei oberlehrerhaft oder gar technikverliebt zu wirken. Vielmehr wird der Lese an die Hand genommen und erhält quasi im Vorbeigehen zahlreiche Informationen zur optimalen Nutzung der Anwendung.

Wie bereits bei der ersten Auflage basiert der rote Faden auf der Reihe der Werkzeugregister in der Standardkonfiguration von Capture One Pro:

  • Bibliothek
  • Farben
  • Belichtung
  • Objektiv
  • Bildaufbau
  • Details
  • Lokale Anpassungen
  • Anpassungen
  • Metadaten
  • Ausgabe. und Stapel

Ergänzt werden diese Kapitel eingangs durch die Vorstellung der Grundfunktionalität der Software, einer kurzen Hardwareberatung sowie eines Überblicks über die gesamte Workflow-Pipeline. Abgeschlossen wird das Buch mit Kapitel zum Tethered Shooting, einer der Paradedisziplin von Capture One Pro, sowie des Einsatzes von Drittsoftware, insbesondere DAM und Bildbearbeitungssoftware.

Bei der Struktur des Buches wurde glücklicherweise nichts verändert, stellt doch der bereits in Auflage 1 verwendete Aufbau eine ideale Grundlage für das Kennenlernen der einzelnen Register und deren Werkzeugen dar.

Besonders für Einsteiger hilfreich dürften die zahlreichen Ablaufdiagramme sein, welche über die Funktionalität der einzelnen Werkzeuge hinaus einen kompletten Konvertierungsworkflow abbilden. Somit wird es für Einsteiger wesentlich einfacher, die Tools in eine anzustrebende Reihenfolge zu bringen und diese sinnvoll zu kombinieren. Nach Erläuterung der Abläufe wird sehr detailliert beschrieben, welche Werkzeuge konkret zur Verfügung stehen, wie diese genutzt werden können und welche kleinen Tricks den Einsatz besonders erleichtern. Insbesondere letztere dürften dabei auch für fortgeschrittene Anwender eine nützliche Informationsquelle sein. Ganz grundsätzlich nutzt Sascha in seinem Buch eine Vielzahl praktischer Beispiele, um die teils trockene Theorie mit Leben zu befüllen und dem Anwender anhand konkreter Aufgabenstellung den Einsatz der Werkzeuge zu erläutern.

Besonders positiv empfinde ich, wie bereits in der ersten Auflage, den im Buch verwendeten Schreibstil. Sascha führt fast schon kumpelhaft durch die nicht immer ganz einfachen Sachverhalte und Zusammenhänge, bleibt dabei immer nah am geschehen und vermittelt das Gefühl, in guten Händen zu sein. Wer diese Art von Didaktik mag, wird vermutlich besonders schnell Zugang zu den Inhalten erlangen und sich wohl fühlen. Sollte eine eher distanzierte, wissenschaftliche Erläuterung bevorzugt werden, so ist das Buch unter Umständen nicht das Richtige.

Einer der wenigen Kritikpunkte bleibt für mich der eher kurz gehaltene Teil zum Thema Scripting. Hier wünsche ich mir bereits seit der ersten Auflage mehr Inhalte, wenngleich verständlich ist, dass dieses Buch nicht als Befehlsreferenz für AppleScipt herhalten kann und will.

Fazit

Im Westen nichts neues – oder so ähnlich. Wie bereits bei der ersten Auflage gelingt es Sascha, die teilweise komplexen Werkzeuge von Capture One Pro gut verständlich zu beschreiben und deren praktischen Einsatz erläutern. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem zweiten Teil, dem praktischen Einsatz, welcher eine tragende Rolle im Buch einnimmt und aus meiner Sicht den größten Nutzen beim Leser erzeugt.

Aufgrund des Rolling Release Models von Capture One Pro ergibt sich natürlich das Problem, dass das Buch praktisch mit dem Druck schon wieder überholt ist. Dieser Logik folgend wäre jedoch kein Buch jemals auf Augenhöhe mit der Software und der Interessent müsste auf entsprechende Lektüre gänzlich verzichten. Aufgrund der guten didaktischen Vorgehensweise, bei welcher Verständnis, nicht jedoch stupides Auswendiglernen im Vordergrund steht, kann zudem der Spagat aus einerseits dem Lernen neuer Funktionen sowie deren Anwendung auch auf spätere Werkzeuge vollzogen werden. Ganz grundsätzlich deckt das Buch die wesentlichen Inhalte von Capture One Pro 10 und teilweise auch bereits Capture One Pro 10.1 ab. Anwender dieser Versionen erhalten also eine annähernd vollständige Beschreibung der Funktionen.

Wer bereits die erste Auflage des Buches hat und die in Version 9 und 10 hinzugekommen Funktionen nicht nutzt, der muss nicht zwangsweise die zweite Auflage kaufen. Bei Nutzung der neuen Funktionen allerdings, oder aber bei einem gänzlichen Neueinstieg in Capture One Pro ist die Investition aus meiner Sicht absolut lohnenswert. Für knapp unter 35€ erhält der Leser eine umfassende Darstellung der Software und eine detaillierte Beschreibung sämtlicher zur Verfügung stehender Werkzeuge sowie deren Einsatz in der Praxis.

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