Canon EOS 1D Mark II N
Nachdem ich über zwei Jahre sehr zufrieden mit meiner EOS 10D unterwegs war, mir jedoch einige Details fehlten, stand ich vor der Kaufentscheidung einer neuen Kamera. Meine Entscheidung fiel auf Canonˋs Topmodell im Sport- und Aktionbereich, EOS 1D Mark II N.
Der Weg zur 1D Mark II N
Nachdem der Bedarf einer neuen Kamera festgestellt wurde, stand ich vor der Frage welche es denn werden soll. Da mein neues Modell ISO- Werte in 1/3 Stufen, einen großen und klaren Sucher sowie optimale Anpassungsfähigkeit an meine Bedürfnisse mitbringen sollte, verringerte sich die Zahl der in Frage kommenden Modelle sehr schnell auf zwei: EOS 5D sowie 1D Mark II N. Das durchstöbern von einschlägigen Foren im Internet bestätigte meine Vorauswahl, machte mir allerdings auch bewusst, dass sehr viele andere Fotografen vor exakt dieser Entscheidung stehen und arge Probleme haben, sich festzulegen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf machte ich mich also auf einen langen Weg der Entscheidungsfindung gefasst, sollte das neue Modell mich doch die nächsten 3-5 Jahre begleiten.
So schwer die Entscheidung doch sein sollte, so schnell stellte ich erfreut fest, dass beide Kameras kaum Gemeinsamkeiten haben und einer klaren Zielgruppe zugeordnet werden können. Nun galt es für mich nur noch, mich selbst in eine solche Gruppe einzuordnen. Anhand meiner fotografischen Schwerpunkte und in Hinblick auf die beiden Modelle stellte ich mir folgende Fragen:
- Benötige ich zwingend einen Vollformatsensor?
- Brauche ich 12 Megapixel, oder genügen mir 8?
- Möchte ich eine schnelle Kamera haben?
- Sollte meine neue Kamera wetterfest sein?
- Wie wichtig ist mir die gesamte Verarbeitung?
- Stört mich eine Kamera mit relativ großen Abmaßen und hohem Gewicht?
Diese Fragen konnte ich, in Anbetracht meiner fotografischen Schwerpunkte, folgendermaßen beantworten:
- Nein. Zwar bringt das einen Vorteil bei WW- Aufnahmen mit sich, da ich aber vornehmlich Makro- Aufnahmen mache, ist der Crop von 1,3 eine bessere Wahl
- 12 wären sehr schön, gerade für sehr große Ausbelichtungen und Crops. Allerdings musste ich mir eingestehen, dass ich selten Bilder mit einer Größe von 75x50 oder gar noch größer ausbelichten lasse. Deshalb siegt auch hier die Vernunft, 8 Megapixel am 1,3er Crop sind für meine Zwecke besser geeignet als 12 Megapixel auf einem Vollformat- Sensor
- Ja, denn Insekten sind sehr sehr schnell und sowieo schwer genug zu fotografieren. Durch eine schnelle Kamera mit bis zu 8,5 B/s habe ich hier eindeutig einen Vorteil. Desweiteren habe ich durch die ultrakurze Auslöseverzögerung einen weiteren für mich nicht zu verachtenden Pluspunkt.
- Zumindest wäre es schön, da ich nicht der Typ bin, der bei aufziehenden Regenwolken umgehend das Weite sucht. Ausserdem lassen sich bei Regen zum Teil sehr schöne Aufnahmen machen.
- Sehr wichtig, wie schon im letzten Punkt beschrieben.
- Ein wenig, denn schließlich muss man das gute Stück ja auch stundelang mit sich rumschleppen
Nach Abwägung der oben genannten Feststellungen war mich klar, dass ich für mein Einsatzgebiet mit der EOS 1D Mark II N besser fahren würde.
Lieferumfang
Im Lieferumfang der Kamera befindet sich erstmal natürlich der Body selbst, ein Akku, Akkuladegerät (an das man zwei NP-E3 zum Laden anschließen kann), ein Netzteil mit dem man die Kamera direkt an das Stromnetz anschließen kann, Gurt zum Umhängen, ein Firewire- Kabel zum Herunterladen der Bilder, ein USB Kabel für den Direktdruck (und nur dazu funktioniert es! Zum Herunterladen der Bilder muss das Firewire- Kabel verwendet werden), eine Schutzkappe für das Firewire- Kabel, Anschlusskabel für ein TV Gerät sowie natürlich Bedienungsanleitung (wie bei Canon leider üblich in einem viel zu kleinen Format), Augenmuschel sowie die EOS Solution Disk.
Der Lieferumfang ist angenehm umfangreich, bis auf einen zweiten Ersatzakku muss eigentlich nichts weiteres mehr hinzugekauft werden.
In der Praxis
Bereits nach dem Einschalten der Kamera wird klar, dass das Bedienungskonzept gänzlich anders ist als das der anderen EOS- Modelle. Um eine Einstellung (z. B. verändern des ISO- Wertes) vorzunehmen, ist es erforderlich eine Taste gedrückt zu halten, während man mit dem Haupteinstellrad den gewünschten Wert selektiert. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Handling der Kamera, so ist es unter anderem auch beim Betrachten der gespeicherten Bilder von Nöten, zum Durchblättern eine weitere Taste gedrückt zu halten. Sinn dieses Systems ist es, versehentliches Verstellen von Werten und Einstellungen zu verhindern. Gerade am Anfang wirkt diese Art der Bedienung umständlich und altmodisch, nach kurzer Einarbeitungszeit jedoch geht alles flüssig von der Hand und lernt im praktischen Alltag die Vorteile zu schätzen.
Ebenfalls anders gelingt die Einstellung der verschiedenen Programmmodi. Während bei anderen EOS- Modellen hierfür ein Einstellrad auf der Oberseite zur Verfügung steht, wird dies bei den 1er Modellen ebenfalls durch gedrückt halten einer Taste in Verbindung mit Betätigung des Haupteinstellrades erledigt. Motivprogramme stehen übrigens nicht mehr zur Verfügung, allerdings sollten Käufer dieser Kamera von solchen Dingen auch längst Abstand genommen haben.
Angenehm fällt nach den ersten Spielereien das hochwertige Anfassgefühl auf. Die Kamera liegt ausgezeichnet in der Hand und fühlt sich sehr hochwertig an. Generell habe ich festgestellt, dass sich durch die ausgezeichnete Haptik das hohe Gewicht gut ausgleicht. Im praktischen Fotoalltag schlägt das gute halbe Kilo mehr an Gewicht im Vergleich zur EOS 10D wesentlich weniger zu Buche als vor dem Kauf gedacht.
Nachdem ich mit der Bedienung vertraut war, ging es erstmal zu einem ausführlichen Test in die freie Natur. Hier kam bei mir durch die extreme Geschwindigkeit und kurze Auslöseverzögerung erstmals wahre Begeisterung zu Tage. Wahrlich beeindruckend, wie sich rund 8 Bilder pro Sekunde anhören! Negativ fällt dabei allerdings die Lautstärke des Spiegelschlags auf. Gerade bei scheuen Tieren wird man sich über so manches verpasste Motiv aufgrund des lauten Spiegelschlags ärgern. Ausgezeichnet hingegen ist übrigens der Sucher, welcher zwar nicht so große wie z. B. der 5D Sucher ist, jedoch ein klareres Bild liefert und angenehm hell ist. Angenehm ist es, dass die Einstellung der ISO- Empfindlichkeit im Sucher verfolgt werden. Selbstverständlich sticht auch der hervorragende, schnelle und treffsichere AF besonders hervor, der speziell im AI Servo Modus sicher zupackt und das Motiv nicht mehr loslässt. Während es bei der EOS 10D obligatorisch war, unter schlechten Lichtbedingungen mehrmals fokussieren zu müssen, sitzt der AF der 1er bereits beim ersten Fokussieren 100%. Allerdings vergeht bei schlechten Lichtverhältnissen ein unangenehmer Zeitraum, bis der AF seine Arbeit beginnt. Dieses Verhalten konnte ich an einer EOS 5D nicht feststellen.
Mehr erwartet hätte ich mir vom großen Monitor auf der Kamerarückseite. Zwar wurde die Größe optimiert, jedoch kann ich wie bereits bei meinen anderen EOS Modellen die Schärfe in keinster Weise sicher beurteilen. Hier sollte Canon in der nächsten Generation erheblich nachlegen, andere Hersteller können das wesentlich besser.
Beim anschließenden Betrachten der Bilder am PC kam hingegen wieder absolute Begeisterung auf. Die reine Bildqualität ist hervorragend, hier kann ich eine erhebliche Steigerung zur EOS 10D ausmachen. Wahrlich beeindruckend ist die Belichtungsgenauigkeit. Es gibt kaum noch Ausreißer, fast alle Bilder sind optimal belichtet worden. Eine riesen Steigerung im Vergleich zur EOS 10D! Das Rohmaterial bietet eine optimale Grundlage für die anschließende Bildbearbeitung. Die Qualität von JPG aufnahmen wurde meiner Meinung nach im Vergleich zur Mark II ohne N verbessert, wohl auch durch den Einsatz der neuen Picture Styles. An die Ergebnisse der alten 1D kommen sie allerdings nicht heran.
Weniger begeistern konnte mich hingegen das Rauschverhalten, hier hätte ich mir einen erheblichen Vorteil erhofft, den ich allerdings in keinster Weise ausmachen kann. Ich würde das Rauschverhalten minimal besser einschätzen, wahrscheinlich aber nur, weil ich ansonsten von dieser Kamera restlos begeistert bin. Hier sehe ich für die kommenden Modelle ebenfalls noch Verbesserungsbedarf (obwohl das Rauschverhalten natürlich insgesamt auf einem ausgezeichneten Niveau liegt). Wer seine Schwerpunkte auf LowLight Fotografie gesetzt hat, sollte eventuell die EOS 5D bevorzugen.
Die Kamera bringt unzählige Funktionen mit, durch die sie sich optimal an den jeweiligen Fotografen anpassen lässt. Des weiteren stehen noch Funktionen zur Verfügung, die nur am PC konfiguriert werden können (z. B. die Belichtungsreihenfolge bei einer Belichtungsreihe). Diese Einstellung können auch auf eine zweite Speicherkarte übertragen und so gesichert werden. Positiv ist auch, dass die Kamera zwei Speicherkartenfächer bietet (1x CF, 1x SD). Dadurch ist es z. B. möglich, auf die CF- Karte RAW- Bilder zu speichern, auf die SD- Karte parallel dazu JPG.
Fazit
Die perfekte Kamera gibt es nicht, jedoch ist Canon mit der EOS 1D Mark II N schon ein großer Wurf gelungen. Alles in allem überzeugt die Kamera, von ein paar Schwachstellen mal abgesehen. Wer auf der Suche nach einer schnellen, hochwertig verarbeiteten Kamera ist kann mit diesem Modell wenig falsch machen. Für Sport- und Action gibt es derzeit wohl kaum eine bessere Kamera auf dem Markt. Wer hingegen meisten unter schlechten Lichtverhältnissen arbeiten muss, sollte vielleicht eher die EOS 5D bevorzugen.




















