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EBV- Workflow

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Das digitale Zeitalter stellt den Fotografen vor ganz neue Herausforderungen. Anstatt seine Aufnahmen in Boxen oder Alben abzuheften, muss er sich nun mit Gedanken über zukunftssichere Dateiformate, Ranking der Aufnahmen, Verschlagwortung, Nachbearbeitung per Bildbearbeitungsprogramm, Archivierung und Sicherung machen.  Ziel des Workshops ist es, Sie mit den gängigen Begriffen vertraut zu machen sowie einen exemplarischen Workflow aufzuzeigen, der sich in der Praxis bereits bewährt hat.

Einleitung

Am Anfang steht das Bild, daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert. Wie auch früher sollten Sie stets darauf bedacht sein, bereits aus der Kamera ein möglichst gutes Rohmaterial zu erhalten. Hierzu ist es erforderlich, sicher im Umgang mit der Kamera zu sein und technisches Verständnis für die Fotografie mitzubringen.

Als nächstes, noch vor der eigentlichen Aufnahme, stehen wir vor der Frage nach dem geeigneten Format für die Aufnahmen. In den aktuellen digitalen SLR Modellen von Canon stehen uns hierbei zwei Formate zur Verfügung: JPG und RAW. Für welches Sie sich letztlich entscheiden hängt auch stark vom späteren Verwendungszweck ab. Dieser Workflow geht im speziellen auf die Verarbeitung von RAW- Aufnahmen ein, da sich diese aufgrund des Mehr an Bildinformationen und der besseren Nachbearbeitungsmöglichkeiten für mich im praktischen Einsatz ausgezeichnet bewährt haben.

Schritt 1: Überspielen der Daten von der Speicherkarte auf den PC

Nach einer Fotoexkursion haben Sie nun Ihre Speicherkarte voller Aufnahmen und wollen diese natürlich auf den PC übertragen. Hierfür stehen Ihnen häufig mehrere Möglichkeiten offen: Übertragung direkt über die USB / Firewire Schnittstelle der Kamera bzw. durch das Auslesen der Speicherkarte mit einem Kartenlesegerät.

Der Vorteil von Variante 1 ist, dass Sie ohne Zusatzgerät auskommen und die Karte nicht aus der Kamera entfernen müssen (Sie wären nicht der Erste, der sich nach einer mehrstündigen Wanderung beim Herausholen der Kamera plötzlich wundert, warum keine Speicherkarte vorhanden ist). Allerdings ist die Übertragungsgeschwindigkeit der in die Kamera integrierten Schnittstellen häufig alles andere als befriedigend. Zudem wird beim Übertragen natürlich Akkukapazität verbraucht, was unter Umständen ebenfalls negative Auswirkungen haben kann.

Variante 2 bringt den angesprochenen Nachteil mit sich, dass die Speicherkarte aus der Kamera entfernt werden muss. Dafür ist die Übertragungsgeschwindigkeit in Verbindung mit hochwertigen Kartenlesern (und natürlich schnellen Speicherkarten) hervorragend. Der Strom für den Betrieb des Kartenlesers wird direkt von der USB- Schnittstelle des Notebooks oder PCs bezogen, dadurch wird selbstverständlich Akkukapazität gespart.

Ich habe mich persönlich für Variante zwei Entschieden, da die Übertragung einfach schneller von statten geht und den Akku weniger beansprucht. Seit ich mit einer 1D Mark II N arbeite, verwende ich aber dennoch ab und an die eingebaute Firewire Schnittstelle zur Übertragung.

Falls es von Ihrem Übertragungsprogramm angeboten wird, können die Bilddaten direkt während des Herunterladens umbenannt werden. Hierfür gibt es unzählige Strategien, nachdem ich einige ausprobiert hatte, entschied ich mich für eine ganz simple. Jedes Bild beginnt mit dem Namen der Kamera, in meinem Fall 1DMN. Des weiteren gebe ich das Aufnahmedatum sekundengenau sowie eine fortlaufende Nummer mit. Ein fertig umbenanntes Bild sieht entsprechend so aus: 1DMNˍ20060829ˍ0001.cr2. Wie schon angesprochen gibt es schier unendlich viele Möglichkeiten, die Bilder umzubenennen. Ich beschränke mich mittlerweile auf diese Kurzform, da ich im Vergleich zu den längeren Varianten keinen für mich relevanten Vorteil erkennen kann (falls Sie in einer Agentur mit mehreren Fotografen tätig sind, ist es unter Umständen sinnvoll zusätzlich noch Ihren Namen mit einzubauen).

Sollte es bei der von Ihnen verwendeten Software nicht möglich sein, die Bilder direkt beim Herunterladen umzubenennen, können Sie dies selbstverständlich mit einem entsprechenden Programm auch erst nach Abschluss des Downloads vornehmen.

Alle heruntergeladenen Bilddateien werden in einen einzigen Ordner abgelegt, um das Klassifizieren zu vereinfachen. Es ist in jedem Fall sinnvoll, den Ordner auch mit einem Datumswert, z. B. 2006ˍ08ˍ28, zu benennen um später leichter den Überblick behalten zu können. Falls Sie eine Archivierungsstrategie bevorzugen, nach der Ihre Bilder zumindest grob in Ordner unterteilt werden, kann dies nach der Verschlagwortung erfolgen. Ich persönlich lege meine Bilder nur noch in nach Datum benannte Ordner ab, zum Auffinden von bestimmten Aufnahmen verwende ich die IPTC- Schlagwörter, die in Schritt 4 eingetragen werden.

Schritt 2: Umwandeln der Bilder ins .dng Format

Dieser Schritt spaltet sicherlich die Meinungen, deswegen lassen Sie mich zunächst ein paar Worte darüber verlieren.

Derzeit gibt es bereits eine sehr große Palette an Kameramodellen auf dem Markt. Leider haben es die Hersteller dieser Modelle versäumt (oder nicht gewollt), sich auf ein gemeinsames RAW- Format zu einigen. Deshalb gibt es unzählige verschiedene Formate, bei denen niemand zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann, wie lange Sie durch andere Software noch lesbar sein werden. Stellen Sie sich vor  Sie machen heute Aufnahmen von der Taufe Ihres Kindes, und in ein paar Jahren, wenn Sie zur Einschulung die Bilder voller stolz präsentieren möchten, lassen sie sich nicht mehr öffnen! Sicher ist dies ein möglicherweise etwas überspitzt formuliertes Szenario, aber tatsächlich kann Ihnen niemand die Datenintegrität über einen längeren Zeitraum hinweg garantieren. Deshalb gibt es mittlerweile eine Organisation (OpenRAW) die versucht eine Lösung für dieses Problem zu finden (z. B. vereinheitlichtes RAW-Format). Wann es allerdings so weit ist, bzw. ob die Kamerahersteller dies überhaupt anstreben, kann im Moment keiner sagen. Mein Ziel und das vieler anderer Fotografen ist es nun, einen Weg zu finden mit dem sich die Bilder in ein transparanteres Format umwandeln lassen. An dieser Stelle kommt Adobe ins Spiel, die das .dng Format aufbrachten und hierfür einen kostenlosen Konverter anbieten. Nach der Konvertierung lassen sich die Daten so behandeln, als würden sie sich immer noch im RAW- Format befinden, sprich, sie können in einem RAW- Konverterprogramm geöffnet werden. Ob das .dng Format eine lange Zukunft hat, kann ebenfalls keiner garantieren. Es ist aber dennoch ein wichtiger und meiner Meinung nach auch richtiger Schritt hin zur Vereinheitlichung der RAW- Formate. Genau aus diesem Grund wandle ich meine Daten in dieses Format um. Sollten Sie lieber die originalen RAW- Daten bevorzugen, können Sie diesen Schritt überspringen.

Nachdem sich die Daten nun auf Ihrer Festplatte befinden, können Sie sie per Adobe DNG Konverter ins .dng Format umwandeln. Bei größeren Bildmengen kann dieser Vorgang natürlich etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Schritt 3: Klassifizierung der Bilder

Sie werden sich nun zu Recht Fragen, warum die Klassifizierung der Bilder nicht schon vor der Umwandlung ins .dng Format erfolgt. Da die Klassifizierung für eine spätere Verwendung der Bilder sehr wichtig ist muss gewährleistet sein, dass auch andere Programme als das Klassifizierungsprogramm im Stande sind, sie wieder auszulesen. Hier musste ich in der Vergangenheit leider mehrfach feststellen, dass es unter den einzelnen Programm erhebliche Differenzen bei den IPTC Informationen, und dadurch natürlich auch bei der Klassifizierung gibt. Deshalb ging mein Weg klar dazu über, erst nach der Konvertierung zu Klassifizieren.

Häufig unterschätzt, ist die präzise Klassifizierung der Aufnahmen einer der wichtigsten Schritte im Workflow. Durch die digitale Fotografie und das daraus resultierende „kostenlose“ Fotografieren (obwohl das ein großer Trugschluss ist) neigt man dazu, mehr Bilder zu machen. Anstatt misslungene Aufnahmen zu löschen, bleiben sie aufgrund der günstigen Speicherpreise auf der Festplatte erhalten und fristen von dort an ein trostloses Dasein. Hier sind nun Sie gefragt: Seien sie so kritisch wie möglich und scheuen Sie sich nicht, misslungene Aufnahmen zu löschen. Gerade zur Steigerung der eigenen fotografischen Leistungen ist es meiner Meinung nach zwingend erforderlich, sich selbst gegenüber sehr kritisch zu sein. Ich persönlich arbeite mit 3 Kategorien. Aufnahmen, die unscharf, vom Bildaufbau schlecht sind bzw. das Thema verfehlen werden gelöscht. Ist zumindest die Schärfe gut, oder das Thema wurde gut getroffen, vergebe ich Kategorie 3. Ist sowohl die Schärfe optimal als auch das Thema gut umgesetzt, gibt es Kategorie 2. Stimmen Schärfe, Bildaufbau, Thema und Bildaussage, vergebe ich Kategorie 1. Hierbei ist es wichtig, für die richtige, objektive Beurteilung Übung zu bekommen. Häufig ist es hilfreich, am Anfang erst einmal Aufnahmen von anderen Fotografen zu beurteilen, Quellen hierfür finden Sie im Internet zur Genüge. Als Steigerung dazu bietet es sich an, einen kritischen Menschen mit fotografischen Sachverstand zu konsultieren und gemeinsam die eigenen Bilder anzugehen. Nach anfänglichen Schwierigkeit werden Sie wahrscheinlich sehr schnell lernen, Ihre Bilder richtig einzustufen. Nur wer sich selbst gegenüber ehrlich ist, kann seine Ergebnisse sukzessive verbessern.

Schritt 4: Verschlagwortung (IPTC)

Um in einem großen Bildbestand noch die Übersicht behalten zu können, ist eine detaillierte Verschlagwortung unumgänglich. Zwar ist dies eine mühsame Aufgabe, die sich jedoch bereits nach kurzer Zeit lohnt.

Wichtig bei der Verschlagwortung ist, so viel Informationen wie möglich an das Bild anzuhängen. Ich gebe z. B. mindestens: Name des Fotografen samt Anschrift; Copyrightvermerk; Aufnahmedatum- und zeit; Aufnahmestandort (so detailliert wie möglich, Land, Bundesland, Stadt, Standort); Personen auf dem Bild etc... Wenn Sie später ein bestimmtes Bild suchen, werden Sie sich über eine präzise Verschlagwortung freuen.

Übrigens lassen sich bestimmte Verschlagwortungen automatisch vornehmen. Meine bevorzugte Anwendung hierfür (iView MediaPro) bietet an, bei jedem neuen Bild automatisch bestimmte IPTC- Felder zu füllen. Dies macht bei Angaben wie dem Standort und den Personen natürlich überhaupt keinen Sinn, aber Dinge wie Name des Fotografen sowie die Anschrift oder auch der Copyrightvermerk können so bequem automatisiert eingefügt werden. Sehen Sie doch in Ihrer Anwendung nach, vielleicht ist so eine Funktion ebenfalls enthalten.

Schritt 5: Bearbeitung der Bilder

Je nach Auftrag werden die Bilder der einzelnen Kategorie ausbearbeitet. Generell kann ich sagen, dass im Regelfall primär die Aufnahmen aus Kategorie 1 verwendet werden. Aus Kategorie 2 sind es dann nur noch einige, von Kategorie 3 nur noch vereinzelte. Hier zeigt sich sehr schnell, wie gut klassifiziert worden ist.

Die fertigen Ergebnisse werden separat z. B. im JPG- Format abgespeichert und können weitergegeben werden. Selbstverständlich bleiben die .dng Aufnahmen unverändert erhalten und können so bei Bedarf jederzeit wieder neu bearbeitet werden.

Falls Sie mit der Bearbeitung von RAW- Files noch nicht so vertraut sind, empfehle ich Ihne die Lektüre des RAW Basis-Workflow

Schritt 6: Sicherung

Nachdem die Zuverlässigkeit von Festplatten häufig wesentlich schlechter ist als angenommen ist eine regelmäßige Sicherung der Datenbestände unerlässlich. Hierzu fertige ich monatlich eine Gesamtsicherung des Bildmaterials an, welche durch eine 3-tägige inkrementelle Sicherung ergänzt wird. Die Gesamtsicherung bleibt für 12 Monate auf einer externen Festplatte bestehen und wird im Anschluss gelöscht. Es ist also gewährleistet, dass ich jeden Datenstand eines Jahres jederzeit zurückspielen kann. Die Sicherung des Jahres wird vor dem Löschen auf mehrere optische Medien (DualLayer-DVD) überspielt und feuerfest archiviert. Selbstverständlich fertige ich nach größeren Aufnahmen zusätzlich noch eine Tagessicherung der Daten an.

Abschließend kann ich sagen, dass ich mit meiner Sicherungsstrategie in nun mehreren Jahren noch keinen Datenverlust hatte. Drei Festplattencrashs konnten durch zurückspielen der Sicherung problemlos wieder korrigiert werden. Wenn Ihnen mehrere Rechner zur Verfügung stehen empfiehlt es sich, dass zurückspielen eines Backups zu testen. Viele wägen sich nämlich in trügerischer Sicherheit, obwohl z. B. optische Medien beschädigt sind und ein zurückspielen nicht mehr möglich ist.

© by jd-photography.de

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