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RAW Basis-Workflow

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Ein Maximum an Bildqualität und Nachbearbeitungsmöglichkeiten garantiert nur die Aufnahme im RAW- Format. Wie die anschließende Nachbearbeitung aussieht, zeigt dieser Workshop.

Wer auf maximale Bildqualität und Nachbearbeitungsmöglichkeiten Wert legt, kommt am Aufnahmeformat RAW nicht herum. Bei der Aufnahme im RAW- Format verändern keine kamerainternen Algorithmen das Bild (wie z. B. die Kontraste, Sättigung, Schärfe etc.), sondern es wird so gespeichert, wie die Kamera es „sieht“. Das führt beim anschließenden sichten der Bilder dazu, dass die Ergebnisse sehr flau und unscharf wirken. Viele die ihre ersten Experimente mit diesem Format machen, sind ob der Ergebnisse deshalb zunächst enttäuscht. JPG’s wirken einfach lebendiger, schärfer und eben „fertiger“. Das hat allerdings den Nachteil, dass in der anschließenden Nachbearbeitung per Bildbearbeitungsprogramm (z. B. Photoshop) die Möglichkeiten eingeschränkter sind. Zudem werden z. B. Canon EOS RAW- Daten mit 12 Bit pro Farbkanal aufgezeichnet, gegenüber 8 Bit im JPG Format. Somit stehen anschließend in der Summe aller Kanäle mehr als doppelt so viele Farbinformationen zur Verfügung, was wiederrum zu einer besseren Wiedergabe des Bildes führen kann  (richtige Nachbearbeitung und ein bisschen Erfahrung vorausgesetzt).

Aber nun zur Entscheidenden Frage: Wie sieht so ein RAW- Workflow aus? Was muss zuerst korrigiert werden, was wird erst ganz am Schluss eingestellt? Genau diese Fragen soll dieser Workshop klären, in Form einer Step-by-Step Anleitung auf dem Weg zum optimalen Bild.

Voraussetzungen: Dieser Workshop setzt voraus, dass Sie sich mit den Grundfunktionen von Adobe Photoshop einigermaßen auskennen. Alle Schritte beziehen sich auf die Version 8, also „CS“. Das meiste sollte jedoch auch in früheren sowie der aktuelleren Version 9 übernommen werden können.

Vorbermerkungen: Ziel dieses Workshops ist, einen Grund- Workflow aufzuzeigen. Selbstverständlich können Sie in Ihren eigenen Workflow partielle Korrekturen, PlugIns etc mit einbauen. Sie finden hier lediglich ein Grundgerüst, dass Sie ganz nach Ihren persönlichen Vorlieben ausbauen und verändern können. Es ist nicht Ziel dieses Workshops, einzelne Funktionen wie z. B. die Verwendung von Gradationskurven zu erläutern.

Zusätzlich würde ich Ihnen vorab empfehlen, alle Änderungen durch Einstellungsebenen vorzunehmen. Dies erleichtert es später, die Veränderungen nach den verschiedenen Modifikationen besser zu beurteilen und durch Veränderung der Deckkraft einzelner Ebenen deren Effekte zu verstärken oder abzumildern.

Schritt 1: Öffnen des RAW- Bildes in ACR

Sie können das gewünschte Bild wahlweise über den „Öffnen“ Dialog von Adobe Photoshop (im folgenden PS genannt) öffnen oder per „Drag&Drop“ in die Arbeitsfläche „ziehen“. PS erkennt automatisch, dass es sich im das RAW- Format handelt und öffnen automatisch den internen RAW- Konverter Adobe Camera RAW (im folgenden ACR genannt).

Schritt 2: Weissabgleich

Wie Sie auf Ihrem Bildschirm sehen können, bietet ACR jede Menge Einstellungsmöglichkeiten. Die Meinungen gehen stark auseinander, ob nun bereits hier Optimierungen durchgeführt werden sollten, oder erst später in PS. Ich persönlich bevorzuge letztere Variante und korrigiere in ACR lediglich den Weissabgleich. Dies kann auf drei Wegen erfolgen: 1. Durch Einstellen eines bereits vordefinierten Weissabgleichs 2: Durch Abstimmung mit der Weissabgleichspipette auf eine im Bild aufgenommene Referenzkarte und 3: Durch Einstellen des genauen Kelvin- Wertes. In diesem Workshop wollen wir erstere Variante verwenden. Photoshop bietet uns hier 7 verschiedene Presets: Auto, Tageslicht, Trüb, Schatten, Wolfram, Kaltlicht und Blitz. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, eigene Settings einzustellen und diese bei Bedarf wieder abzurufen. Unser Beispielbild wurde unter Tageslicht aufgenommen, deshalb stelle ich an dieser Stelle „Tageslicht“ ein. Sie sehen nun, wie sich dich Farbwiedergabe des Bildes verändert und der leichte Farbstich neutralisiert wird.

Schritt 3: Abstellen der Schärfung in ACR

Wie im vorangegangen Schritt bereits erwähnt, nehme ich im RAW- Konverter bis auf den Weissabgleich keinerlei Modifikationen am Bild vor. Deshalb regle ich auch die voreingestellte Schärfung um den Faktor 25 auf 0 herunter. Dies kann Wahlweise per Schiebregler oder per Direkteingabe des Wertes erfolgen.

Schritt 4: Ausgabeeinstellungen vornehmen

In diesem Schritt legen wir die Ausgabeeinstellungen für unser Bild fest. Hierzu stellen wir die Farbtiefe von 8 auf 16 Bit und die Auflösung auf 300 Pixel/Zoll. Der eingestellte Farbraum hängt ganz vom späteren Verwendungszweck ab, in unserem Beispiel wollen wir uns mit sRGB begnügen. Somit haben wir in ACR alle wichtigen Einstellungen vorgenommen. Wir bestätigen unsere Einstellungen mit einem Klick auf „OK“ und unser Bild öffnet sich in PS.

Schritt 5: Tonwertkorrektur

Nun geht es an die Bearbeitung mit Photoshop. Als erstes wollen wir hier eine eventuelle Korrektur des Tonwertumfangs vornehmen. Hierzu wählen wir Bild > Anpassen > Tonwertkorrektur (bzw. Strg + L). Wie wir nun feststellen, kann unser Bild durchaus eine Korrektur des Tonwertumfanges vertragen. Wir nehmen die Änderungen wie gewünscht vor und bestätigen unsere Eingaben mit einem Klick auf „OK“.

Schritt 6: Belichtungskorrektor mit dem Tiefen/Lichter Dialog

In diesem Schritt unserer Bearbeitung spielen wir einen großen Trumpf der Aufnahme im RAW- Format aus. Durch die vielen Farbinformationen haben wir die Möglichkeit, aus dunklen Bildbereichen noch Details hervorzuholen, die auf den ersten Blick kaum sichtbar sind. Gleiches geht auch mit den Lichtern, jedoch lassen sich aus dunklen Bereichen im Regelfall mehr Details „retten“, weshalb ich persönlich im Zweifelsfall eine leichte Unterbelichtung einer Überbelichtung vorziehe. In unserem Testbild wollen wir versuchen, den Himmel etwas abzudunkeln und aus dem dunklen Schuppen im Vordergrund noch ein paar Details rauszuholen. Hierzu öffnen wir den Tiefen/Lichter Dialog über Bild >Anpassen > Tiefen/Lichter und nehmen die gewünschten Modifikationen vor und bestätigen diese mit einem Klick auf „OK“. ACHTUNG: Die Tiefen/Lichter Funktion sollte mit Vorsicht verwendet werden, denn bei zu exzessivem Gebrauch wirkt das Ergebnis sehr surreal!

Schritt 7: Verbesserung des Kontrastes mit den Gradationskurven

Um den Kontrast unseres Bildes zu verbessern, wollen wir in unserem Beispiel eine S-Förmige Gradationskurve anwenden. Diese Änderung wird meistens auch die Farbsättigung verbessern, möglicherweise aber stärker als gewollt. Deshalb kann es sinnvoll sein, den Ebenenmodus auf „Luminanz“ einzustellen. Wir öffnen den Gradationskurven Dialog über Bild > Anpassen > Gradationskurven (bzw. Strg + M) und modifizieren die Kurve unseres Bildes.

Schritt 8: Korrektur der Bildhelligkeit

Die Optimierung der Bildhelligkeit wollen wir ebenfalls über die Gradationskurven vornehmen, da sie ein maximales Maß an Kontrollmöglichkeiten bieten. In unserem Beispielbild wollen wir das Bild etwas abdunkeln. Öffnen Sie hierzu wieder den Gradationskurven Dialog über Bild > Anpassen > Gradationskurven (bzw. Strg + M) und nehmen Sie die gewünschten Einstellungen vor.

Schritt 9: Verbesserung der Farbsättigung

Durch Verwendung der S-Förmigen Gradationskurve erhält man im Regefall schon eine Optimierung der Sättigung. Ist man mit den Ergebnissen jedoch noch nicht zufrieden, kann über den Dialog Gradationskurven Bild > Anpassen > Gradationskurven (bzw. Strg + M) weitere Modifikationen vorgenommen werden. Alternativ kann auch der Dialog Farbton/Sättigung unter Bild > Anpassen > Farbton/Sättigung  (bzw. Strg + U) angewendet werden. Grundsätzlich empfehle ich, dies über Gradationskurven einzustellen, da man hier mehr Kontrolle hat. Um aber auch die andere Möglichkeit aufzuzeigen, wollen wir in unserem Beispiel den Dialog Farbton/Sättigung verwenden. Nach den Änderungen bestätigen wir diese durch einen Klick auf „OK“.

Schritt 10: Schärfen

Der letzte Schritt der Bearbeitung ist das Schärfen. Da keine kamerainterne Schärfung durchgeführt wurde, wirkt unser Bild zwar nun farblich brilliant, jedoch immer noch matschig. Um dies zu ändern öffnen wir den Dialog Unscharf maskieren… über Filter > Scharfzeichnungsfilter > Unscharf maskieren… und geben die gewünschten Werte zur Schärfe ein. Es empfiehlt sich grundsätzlich, jedwede Art der Schärfung in der 100% Ansicht vorzunehmen. Haben Sie die optimalen Einstellungen gefunden, bestätigen Sie die Änderungen mit einem Klick auf „OK“.

Schritt 11: Speichern

Nachdem das Bild unseren Vorstellungen angepasst wurde, geht es nun an das Speichern. Welches Format hierzu verwendet wird, hängt ganz vom Verwendungszweck des Bildmaterials ab. Soll es z. B. für die Präsentation im Internet verwendet werden kann ein Speichern im JPG Format sinnvoll sein. Ich selbst speichere meine ausbearbeiteten Bilder im TIFF Format (16 bit) ab. Den Speichern unter Dialog finden Sie unter Datei > Speichern unter...  (bzw. Strg + Umschlt + S). Vergeben Sie für das Bild einen schlagkräftigen Name und klicken auf Speichern. In dem sich nun öffnenden Dialog entscheiden wir uns für eine komprimierungslose Speicherung und für die Byte-Anordnung IBM PC.

Wichtig: Falls Sie das Bild verkleinern wollen, sollten Sie dies vor dem Schärfen tun!

 

Hier sehen Sie einen Vergleich der beiden Bilder vor und nach unserer Bearbeitung

 

 

 

 

Zusammenfassung

01. Öffnen des Bildes in ACR

02. ACR Weissabgleich

03. Abstellung der Schärfung in ACR

04. Ausgabeeinstellungen vornehmen

05. Tonwertkorrektur

06. Tiefen/Lichter

07 Verbesserung des Kontrastes mit den Gradationskurven

08. Korrektur der Bildhelligkeit

09. Verbesserung der Farbsättigung

10. Schärfen

11. Speichern

Eine Photoshop Aktion, welche die Schritte 5 - 11 automatisiert, finden Sie im Downloadbereich

Sie haben Verbesserungsvorschläge zu diesem Workshop? Möchten gerne Ihre Meinung, Kritik oder Wünsche anbringen? Schreiben Sie doch einfach eine kurze e-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ! Ich bin stets bemüht, Verbesserungen vorzunehmen und bin gerade deshalb über jede Meinung dankbar.

 

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