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Richtig scharfe Bilder vom Stativ
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SchwachPerfekt 
Geschrieben von: Joerg   
Donnerstag, den 21. Juli 2011

Mehrfach die Woche tummeln sich in den einschlägigen Foren Fragen/Beschwerden zum Thema scharfe Aufnahmen vom Stativ aus. Regelmäßig sehe ich Einsteiger, die trotz Verwendung eines Stativs eben doch keine wirklich knackige Schärfe hinbekommen und sich hilfesuchend an mich wenden. Nun, es gibt natürlich äußerst viele Faktoren und Gründe, welche zu scharfen Resultaten führen und ebenso viele, die diese verhindern. Immer wieder jedoch stelle ich fest, dass etliche Gründe eher einfacher Natur sind und ohne großen Aufwand hätten verhindert werden können. In den vergangenen Stunden habe ich deshalb eine kleine Hilfestellung erarbeitet, welche gerade Ein- und Aufsteigern zu schärfen Resultaten bei Stativaufnahmen verhelfen soll. Insgesamt alles keine neuen Themen, jedoch eine konsolidierte Übersicht, welche selbstverständlich jederzeit gerne erweitert werden kann.

Während der Aufnahme

1. Stabiles Stativ

Hierzu muss nicht mehr viel gesagt werden, eine stabiles Stativ ist eine Grundvoraussetzung für scharfe Ergebnisse. Steht das Stativ schlecht oder ist wackelig konstruiert können bereits kleinste Erschütterungen zu ungewünschten Unschärfen führen. Ich möchte extra nochmal betonen, dass man für ein stabiles Stativ keine 1000€ ausgeben muss. Hier im Forum finden sich zahlreiche Tipps zu guten und günstigen Stativen.

2. Fernauslöser verwenden

Generell sollten Berührungen der Aufnahmeeinheit bestehend aus Stativ, Stativkopf und Kamera während des Aufnahmeprozesses absolut vermieden werden. Dies schließt auch das Auslösen mit ein, weshalb sich die Verwendung eines Fernauslösers anbietet. Bereits das Auslösen der Kamera kann zu Verwacklungen führen, die sich problemlos vermeiden lassen. Ist aktuell kein Geld für einen Fernauslöser vorhanden, ist der Einsatz des Selbstauslösers immer noch erheblich besser als das Auslösen per Hand.

3. Spiegelvorauslösung nutzen

Der Spiegelschlag einer DSLR im problematischen Belichtungszeitenbereich von ca. 1/60 - 3 Sekunden reicht aus, um zu Verwacklungsunschärfen zu führen. Ich empfehle daher generell den Einsatz der SVA, um jedwede diesbezüglich Verwacklungsmöglichkeit zu vermeiden. Bei der SVA klappt der Spiegel beim ersten betätigen des Auslösers hoch, erst beim zweiten betätigen erfolgt dann die Aufnahme. Wichtig: Zweimal hintereinander ganz schnell den Auslöser zu betätigen reduziert den Nutzen der SVA, deshalb einfach 3-5 Sekunden zwischen dem Hochklappen des Spiegels und dem Beginn der Aufnahme warten. Eine Kombination aus Selbstauslöser und SVA ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, da hierbei eine im Regelfall angemessene Zeitspanne zwischen hochklappen des Spiegels und starten der Aufnahme eingehalten wird. Einige Kameras lösen bei Verwendung der SVA zudem automatisch im Anschluss aus.

4. Manuell fokussieren

Gerade bei der Verwendung von WW-Objektiven hat es der AF oft schwer, perfekt zu fokussieren. Einen interessanten Bericht über dieses Phänomen findet ihr hier. Ich verwende deshalb bei WW-Aufnahmen vom Stativ grundsätzlich die manuelle Fokussierung, dank LiveView und 10x Lupe ist das absolut perfekt und einfach möglich. Meine Erfahrungen in der Praxis decken sich mit den im Phase One Blog geschilderten Sachverhalten, sodass ich nur immer wieder zum manuellen Fokussieren ermutigen kann. Da ich bei Stativaufnahmen im Regelfall auch Zeit habe, spricht nichts gegen die langsamere manuelle Variante. Somit lässt sich jede noch so kleine Fehlfokussierung durch die Automatik sicher ausschließen.

5. Optimale Blende verwenden

Die Verkleinerung der Blende führt zu einer größeren Schärfentiefe, jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad, anschließend nimmt die Schärfe beugungsbedingt wieder ab. Im oben genannten Link wird dieser Umstand sehr schön visualisiert und kann natürlich jederzeit im Eigenversuch rekonstruiert werden. Für perfekte Schärfe deshalb genau beobachten, wann Beugungsunschärfe eintritt und bis zu welchem Grad diese noch vertretbar ist. Um das Ganze etwas konkreter zu machen: Am Vollformat arbeite ich im Regelfall mit Blenden bis maximal 9-11, darüber hinaus wird mir persönlich der Schärfeverlust zu groß.

6. Sämtliche Einstellungshebel ordentlich festziehen

Gerade ein 3-Wegeneiger wartet mit 3 potentiellen Fehlerquellen auf. Ist nur ein Hebel nicht ordentlich angezogen, kann dieser während der Aufnahme durch leichte Bewegung schon zu unscharfen Ergebnissen führen. Deshalb vor dem Auslösen der Kamera unbedingt sicherstellen, dass sämtliche Hebel ordentlich festgezogen sind. Bevor ich einen Kugelkopf hatte ist mir genau dieses Missgeschick regelmäßig passiert, da ich so auf den perfekten Bildausschnitt fixiert war. Zuhause war dann die Verwunderung groß, da ja Stativ, Fernauslöser, SVA und manuelle Fokussierung verwendet wurden. Auf die schliche kam ich diesem Fehler durch Nachaufnahmen, welche Lichtspuren durch den zu lockeren Hebel aufwiesen.

7. Kein versehentliches Berühren der Aufnahmeeinheit während der Aufnahme

Wie oft habe ich schon Fotografen gesehen, die während der Aufnahme versehentlich das Statv berühren oder gar an der Kamera rumspielen. Durch solche Berührungen entstehen äußerst leicht Verwacklungen, weshalb ich peinlichst darauf achte, dass während der Aufnahme nichts meinen Aufbau berührt. Auch ein leichtes ziehen am Fernauslöser kann schon verheerende Folgen haben, deshalb auch hier aufpassen. So banal dieser Hinweis auch klingen mag, so enorm ist die Auswirkung bei Nichtbeachtung. Ich kenne mein eigenes Talent und stelle mich während der Aufnahme immer einen halben Schritt vom Stativ weg, gerade bei Nachtaufnahmen sieht man die dunklen Stativbeine oft schlecht und berührt es sehr leicht versehentlich.

8. Aufnahmeort mit Bedacht wählen

Z. B. eine Brücke ist immer mit Vorsicht zu genießen, da sie sich konstruktionsbedingt leicht bewegen kann. Dieses Risiko steigt beträchtlich, wenn es sich dabei um eine Bahn- und Autobrücke handelt. Die Erschütterungen wirken sich direkt auf die Aufnahmeeinheit aus und können so schnell zu Verwacklungen führen. Dies bedeutet nicht, dass solche Brücke generell ungeeignet sind, sondern vielmehr, dass man ein mögliches Verwacklungsrisiko ganz bewusst eingehen muss. Bei befahrenen Brücken sollte wenn möglich ein Moment abgepasst werden, an dem das Verkehrsaufskommen so gering wie möglich ist. Im übrigen ist auch nicht jeder Untergrund, der auf den ersten Blick stabil erscheint, dies auch wirklich. So verursacht stampfen auf einem Parkett oder Laminatboden ebenfalls Schwingungen, die jede Aufnahme ruinieren können. Ein anderer wichtiger Faktor ist Wind, dessen Wirkung sich besonders gut mit einem Tele festellen lässt. Hierzu einfach mal das Tele anschrauben und im Liveview bei Wind beobachten, wie der Bildausschnitt leicht in Bewegung ist. Deshalb empfehle ich, wenn der Kameramonitor es hergibt, direkt nach der Aufnahme die Schärfe genau zu überprüfen. So kann bei etwaigen Unschärfen ggf. noch ein anderer Standort gesucht werden, denn nichts ist ärgerlicher als erst zuhause festzustellen, dass die Bilder verwackelt sind.

9. Bildstabilisator im Zweifelsfall abschalten

So nützlich der Stabilisator beim Arbeiten ohne Stativ sein mag, so gefährlich kann er beim Arbeitem mit Stativ werden. Während Stabilisatoren der neuen Generation erkennen, dass vom Stativ gearbeitet wird und eine Korrigierung deshalb nicht erforderlich ist, versuchen die Älteren häufig Verwacklungen auszugleichen, wo natürlich keine sind. Im Zweifelsfall lautet mein Ratschlag deshalb: Sicherheitshalber ausschalten.

10. Wetterverhältnisse beachten

Während unser Auge z. B. leichten Dunst nicht wirklich wahrnimmt, ist der Kamerasensor hierbei ungleich genauer. Schon etwas Dunst in der Luft vermindert die Kontraste und sorgt somit für ein deutlich weniger scharf wirkendes Ergebnis. Ein anderes Phänomen ist das Hitzflimmern, welches ebenfalls die Bildschärfe signifikant reduziert. Selbstverständlich lassen sich diese wetterbedingten Erscheinungen vom Fotografen nicht abstellen, jedoch sollte er sie immer im Hinterkopf haben.

11. Stativ nur so weit ausziehen, wie unbedingt nötig

Je weiter die Stativbeine ausgezogen werden, desto anfälliger wird die Konstruktion gegen Erschütterungen oder auch natürlich gegen Wind und andere Einflüsse. Mit besonderer Bedacht ist auch eine optionale Mittelsäule zu verwenden, da diese quasi ein Einbein-Stativ auf einem Dreibein-Stativ darstellt. Diese Kombination ist extrem anfällig gegen Erschütterungen und andere Einflüsse und sollte deshalb, wenn möglich, komplett vermieden werden. Ist der Einsatz unumgänglich, weil die cm gebraucht werden, die Einheit bestmöglich gegen äußere Einflüsse abschotten und Erschütterungen des Bodens (auch und gerade durch den Fotografen) vermeiden.

Während der anschließenden Nachbearbeitung

Natürlich ist es die Aufnahme im RAW-Format keine zwingende Voraussetzung, aus den bekannten Vorteilen heraus rate ich aber gerade bei gut geplanten Aufnahmen mich hohem Qualitätsanspruch dazu. Die im folgenden beschriebenen Vorgehensweisen setzen also voraus, dass im RAW-Format gearbeitet wurde.

Beseitigung der durch den AA-Filter entstandenen Unschärfe

Der in den meisten Kameras verwendete AA-Filter sorgt konstruktionsbedingt für einen mehr oder weniger großen Verlust an Schärfe. Ziel ist es, diese Unschärfe während der Bearbeitung im RAW-Konverter bestmöglich zu beseitigen. Hierzu wird im RAW-Konverter eine leichte Grundschärfung durchgeführt. Dies hat nichts mit einer Schärfung für die spätere Ausgabe zu tun, hierbei geht es wirklich nur um die Beseitigung der "digitalen Unschärfe". Um diese optimal zu entfernen, nutze ich in meinem RAW-Konverter (Capture One) folgende Einstellungen:

Stärke: 130
Radius: 0,6
Schwellenwert: 0,5

Im Anschluss verwende ich in Photoshop ein Script zur weiteren Reduzierung der digitalen Unschärfe.

Bitte beachtet, dass die von mir für Capture One genannten Werte nicht auf andere Konverter übertragen werden können. Sie sind abgestimmt auf den Alghoritmus von Capture One und auf die spätere Verwendung meines Scripts für Photohop.

Alternativ ist auch der Pre-Sharpener von Nik-Software eine ausgezeichnete Möglichkeit, die "digitale Unschärfe" zu entfernen.

Schärfung für das jeweilige Ausgabeformat

Hier geht es nun um die finale Schärfung des Bildes. Wichtig ist dabei zu wissen, wie das Bild weiter verwendet wird (Web, Druck etc.). Eine konkrete Empfehlung über Werte kann hier niemals gegeben werden, zu verschieden sind die Bedürfnisse der jeweiligen Medien. So muss ein Bild für den Druck (je nach verwendetem Drucker,Größe, Auflösung, Papier vollkommen anders behandelt werden als ein Bild, welche im Web (auch hier natürlich Größenabhängig) präsentiert wird.

 

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